Alkohol und Cholesterin: Kann ein Glas am Tag Ihrem Herzen helfen?

Ein altes Sprichwort sagt, dass Alkohol – und insbesondere Wein – gut für das Herz und die Cholesterinwerte sind

Dan
Dan
26. März 2019
Glas Rotwein vor mediterraner Landschaft

Welche Auswirkungen hat der Konsum von Alkohol, insbesondere Wein, auf ihre Cholesterin- und Lipidwerte? Dass der Alkohol neben anderen Organen und Körperteilen vor allem die Leber, den Magen und das Gehirn schädigt, ist schon lange bekannt, dagegen ist der Einfluss von Alkohol sowohl auf die Lipidwerte als auch auf die Gesundheit des Herzens schon lange Gegenstand von Diskussionen.

“Welche Auswirkungen hat Alkohol auf Ihre Cholesterinwerte?”

Wie schwer kann diese Frage schon zu beantworten sein?

Nun, gibt man die Frage in eine gängige Suchmaschine ein und stürzt sich auf die ersten Ergebnisse, so werfen diese schon bald mehr Fragen auf als sie beantworten. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass es drastische Unterschiede zwischen den Ergebnissen der verschiedenen Studien gibt, das Ergebnis des Versuchs, den Effekt einer einzelnen Ernährungskomponente isoliert zu betrachten.

Um sich in diesem Wirrwarr zurechtzufinden ist es zunächst wichtig zu verstehen, was Cholesterin eigentlich ist.

Was ist Cholesterin?

Der Cholesterinwert setzt sich aus dem „guten“ HDL-Cholesterin und dem „schlechten“ LDL-Cholesterin zusammen. Cholesterin ist eine essenzielle Komponente in vielen Prozessen des Körpers wie der Zellbildung und der Produktion von Hormonen. Zu hohe Konzentrationen an LDL-Cholesterin beschleunigen jedoch die Bildung von Fettablagerungen in den Arterien und führen so zur Arteriosklerose. Arteriosklerose ist einer der größten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen und andere Beeinträchtigungen des Herzens.

Es gehört zu den Lipiden, einer Gruppe von Chemikalien des Körpers die typischerweise aus Fetten und Ölen besteht. Ein weiteres Beispiel eines essenziellen Lipids ist ein Fett mit der Bezeichnung Triglycerid.


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Wenn sie Nahrung in flüssiger oder fester Form zu sich nehmen wandelt der Körper die unverbrauchten Kalorien in Triglyceride um, die als Speichermedium für Energie dienen. Diese Energie kann zwischen den Mahlzeiten bei Bedarf wieder freigesetzt werden. Triglyceride sind der Hauptbestandteil des menschlichen Körperfetts, weswegen eine positive Kalorienbilanz allgemein als ein kontribuierender Faktor für Gewichtszunahme gesehen wird (die Rolle von Kalorien bei der Gewichtszu-/abnahme wird heiß diskutiert, aber das ist ein Thema für einen eigenen Artikel).

Neben Cholesterin und den Triglyceriden besteht die Gruppe der Lipide noch aus vielen anderen Stoffen, aber diese beiden werden normalerweise für die Bestimmung Ihres Lipidprofils herangezogen. Lipide sind für den Körper essentiell, doch eine zu hohe oder zu geringe Menge an bestimmten Lipiden in Ihrem Körper kann das Risiko von Komplikationen, besonders am Herzen, erhöhen.

Cholesterin und Triglyceride werden in der Einheit Milligramm pro Deziliter gemessen (ml/dL). Die empfohlenen Richtwerte sind Angaben der Cleveland Clinic zufolge:

  • HDL-Cholesterin:
    ◦ Über 40 ml/dL
  • LDL-Cholesterin:
    ◦ Unter 70 mg/dL für Menschen mit sehr hohem Risiko, Herzkrankheiten zu entwickeln
    ◦ Unter 100 ml/dL für Menschen mit hohem Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln
    ◦ Unter 130 ml/dL für Menschen mit geringem Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln
  • Triglyceride:
    ◦ Unter 50 mg/dL

Das Lipidprofil kann von ihrem Arzt genutzt werden um den optimalen Ernährungs-, Trainings- und Medikationsplan zu entwerfen und somit das Risiko kardiovaskulärer Probleme zu senken.

Wie passt nun der Alkohol ins Bild?

Alkohol, Cholesterin, & Triglyceride

Bis auf ein paar wenige Ausnahmen wie z.B. Eier- oder Sahneliköre enthalten alkoholische Getränke kein Cholesterin.

Sie enthalten jedoch Kalorien und haben somit einen Einfluss auf den Triglycerid-Haushalt.

Bestimmte alkoholische Getränke enthalten noch andere Inhaltsstoffe wie Antioxidantien, die auch einen Einfluss auf das Cholesterin nehmen können. Die alkoholische Komponente in jedem alkoholischen Getränk, das Ethanol, kann sich ebenso darauf auswirken.


Behalten Sie im Hinterkopf, dass in den USA moderater Alkoholkonsum als ein Standard-Drink pro Tag für Frauen und bis zu zwei Standard-Drinks für Männer gilt. Dabei entspricht ein Standard -Drink:

  • 355 ml Bier (5% Alkohol)
  • 150 ml Wein (12.5% Alkohol)
  • 45 ml hochprozentiger Alkohol (40%)

In jedem Fall beträgt die konsumierte Menge an reinem Alkohol 14 Gramm. Richtlinien variieren je nachdem in welchem Land Sie sich befinden; die Definition für einen Standard-Drink kann so zwischen 8 und 20 Gramm reinen Alkohols variieren.

Sollten diese Richtlinien überschritten werden, so dürften die negativen Effekte alle möglichen positiven Effekte überwiegen. Vor allem, wenn die empfohlenen Mengen regelmäßig und/oder in großer Menge überschritten werden.


Der Effekt von Alkohol auf Cholesterin

Ethanol ist der spezifische Alkohol, der in allen alkoholischen Getränken enthalten ist. Über die Jahre haben Forscher eine beträchtliche Menge an Beweisen gefunden, die darauf hindeuten, dass moderate Mengen Alkohols jeglicher Art das Risiko für koronare Herzkrankheit senken, was teilweise auch seinem Effekt auf das Cholesterol zugeschrieben wird.

Selbst diese Studie aus dem letzten Jahr räumt trotz ihrer Kernaussage, dass keine Menge an Alkohol gut für den menschlichen Körper ist, die positive Wirkung von moderatem Alkoholkonsum auf das kardiovaskuläre System ein.

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Eine mögliche Erklärung ist, dass Alkohol die Konzentration des Apolipoproteins erhöht, welches sowohl beim Transport von „gutem“ HDL-Cholesterol als auch bei der Erhöhung der Transport-Rate eine wichtige Rolle spielt. Infolgedessen wird das LDL-Cholesterin Level reduziert, da es effektiver vom HDL-Cholesterin aus dem Blutkreislauf entfernt werden kann.

Es wurden auch Veränderungen bei weiteren Biomarkern – inklusive HDL-Cholesterin - gefunden, die mit Lipiden in Verbindung gebracht werden.

Diese Studien suggerieren, dass Alkohol diese Vorteile unabhängig von der Art des konsumierten alkoholischen Getränks liefert. So existieren Studien, in denen unter anderen Vodka, Bier oder auch Wein konsumiert wurden.

Jedoch existiert auch für jede Studie, die die Gleichwertigkeit aller alkoholischen Getränke betont, eine weitere, die die Überlegenheit mancher alkoholischen Getränke betont. Konkret wird Rotwein häufig als besonders effektiv hervorgehoben.

Wein: Ist Resveratrol der Schlüssel?

„Der ist gut fürs Herz“ ist ein Satz, den schon viele Menschen vor sich hingemurmelt haben während sie sich zu einem weiteren Glas Wein verholfen haben, aber welche Beweise gibt es, die diese Volksweisheit unterstützen?

Mediterrane Ernährung wird oft für ihre positiven Auswirkungen auf die Gesundheit gelobt, vor allem in Bezug auf Herzkrankheiten. Diese Studie aus dem Jahr 2017 ist nur eine von vielen, die ihren positiven Effekt auf die Cholesterin- und allgemeinen Lipid-Werte betont.

Elementarer Bestandteil der mediterranen Ernährung ist auch eine „gesunde“ Menge Rotwein.

Der Gedanke, dass Wein gut für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems sein könnte, wurde viele Jahre lang als eine mögliche Erklärung für das Französische Paradoxon genutzt, ein Begriff, entstanden in den 80er Jahren, der die - trotz des für die französische Küche typisch hohen Konsums an gesättigten Fetten - überraschend niedrige Fallzahl an koronaren Herzerkrankungen in Frankreich beschreibt.

Die Grundsatzfrage dabei ist, ob der Wein tatsächlich zu den beschriebenen Phänomenen beiträgt, oder ob ihm fälschlicherweise die positiven Effekte anderer Teile der Ernährung oder des Lebensstils zugeschrieben werden.

Ein Erklärungsansatz ist, dass die Polyphenole im Wein (beträchtlich mehr im Roten als im Weißen) der Schlüssel sind. Ein Beispiel für ein Polyphenol ist das Resveratrol, das in der Haut von Trauben enthalten ist. Ihm wurde eine positive Wirkung auf die kardiovaskuläre Gesundheit von Mäusen nachgewiesen.

Forscher sind sich jedoch uneinig, ob Resveratrol beim Menschen eine ähnlich positive Auswirkung hat. Eine Reihe von Studien, die Sie hier nachschlagen können, haben Beweise gefunden, die diese Hypothese unterstützen.

Vergleicht man jedoch den Inhalt von Resveratrol-Tabletten mit dem eines Glases Rotwein, so beinhalten die Ersteren mindestens 150mg des Wirkstoffs, wenn nicht sogar mehr. Im Vergleich dazu kommt selbst ein Glas des resveratrolhaltigsten Rotweins kommt nur auf ca 0.5 mg. Viele Forscher verwerfen daher die Hypothese, dass das im Rotwein enthaltene Resveratrol einen spürbaren Effekt haben kann.

Resveratrol ist jedoch nicht das einzige Polyphenol, das im Rotwein enthalten ist…

Flavonoide und Antioxidantien in Wein

Vielleicht liegt das Geheimnis des positiven Effekts von Rotwein auf das kardiovaskuläre System auch bei einer Untergruppe der Polyphenole, bekannt als Flavonoide, wie z.B. Quercetin und Katechin. Ebenso wie beim Resveratrol gilt auch bei den Flavonoiden: Rot sticht Weiß.

Es wurde bewiesen , dass Flavonoide LDL-Cholesterin vor Kupfer-induzierten Oxidation schützen.

Das LDL-Cholesterin hat bereits den Ruf des „schlechten“ Cholesterins, doch Studien zufolge ist LDL-Cholesterin dann am schädlichsten für den Körper, wenn es oxidiert wurde. Im oxidierten Zustand wird LDL-Cholesterin mit einer Beschleunigung der Arteriosklerose und infolgedessen mit einer Erhöhung des Risikos für koronare Herzkrankheit in Verbindung gebracht.

Obwohl der oxidative Stress - eine Imbalance zwischen Oxidantien und Antioxidantien zugunsten der Ersteren - ein relevanter Faktor im atherogenen Prozess ist, konnten Studien bisher keine konsistenten Ergebnisse hervorbringen. Darüber hinaus konnten vielversprechende Ergebnisse von in vitro (wörtlich: im Glas ) Experimenten nicht immer bei Menschen in vivo (wörtlich: im Lebenden) reproduziert werden.

Der Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass der menschliche Körper die Polyphenole so effizient verstoffwechselt, dass nur ein kleiner Anteil seine Rolle als Antioxidans erfüllen kann.

Zusammenfassend lässt sich also nur sagen, dass es viele unbekannte Faktoren in den Prozessen des menschlichen Körpers rund um die Oxidation und ihren Einfluss auf Arteriosklerose gibt.

Daher kann nicht mit Sicherheit gesagt werden ob Wein, die darin enthaltenen Polyphenole, oder seine antioxidativer Wirkung auf das LDL-Cholesterol tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben.

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden werden zwei unterschiedliche Ansätze genutzt. Auf der einen Seite die Wissenschaftler, die mit Hilfe von Beobachtungsstudien versuchen, versteckte Muster und Korrelationen zwischen möglichen Ursachen und Wirkungen zu erkennen. Auf der anderen Seite diejenigen, die die zugrundeliegenden biochemischen Prozesse des menschlichen Körpers untersuchen um auf diese Weise zu einer Lösung zu gelangen.

Auf der Basis aktueller Forschung lässt sich durchaus sagen, dass der Konsum einer angemessenen Menge Wein - insbesondere Rotwein - sicherlich als Teil eines gesunden Ernährungsplans funktionieren und gesundheitsfreundliche Cholesterin-Werte generieren kann. Das gilt insbesondere für die mediterrane Ernährung, in der Rotwein eine wichtige Rolle spielt.

Jedoch kann die Wissenschaft noch nicht mit Sicherheit sagen, warum Rotwein effektiver zu wirken scheint als andere alkoholische Getränke.

Sollten Sie Alkohol trinken?

Es gibt Beweise dafür, dass Alkohol – und insbesondere Rotwein – einen positiven Effekt auf die Cholesterin-Werte und den allgemeinen Kardiovaskulären Gesundheitszustand hat. Sowohl Ethanol, der in allen alkoholischen Getränken enthalten ist, als auch Polyphenole, die vor allem im Rotwein enthalten sind, gelten als mögliche Ursachen für diesen Effekt (auch wenn die Prozesse dahinter nicht vollständig bekannt sind)

ABER

Es existieren auch Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass selbst mäßiger Alkoholkonsum mehr Risiken für die Gesundheit birgt als er Vorteile bringt. Das gilt vor allem in den Fällen, in denen der Cholesterinspiegel bereits im gesunden Bereich liegt und kein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen vorliegt, stattdessen aber vielleicht ein höheres Risiko vorhanden ist, eine andere Krankheit zu entwickeln, bei der Alkohol als Risikofaktor fungiert (Nehmen Sie zum Beispiel eine junge Frau mit geringem Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln, bei der aber natürlicherweise ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs vorliegt).

Wenn man dann noch stark personenabhängige Faktoren wie z.B. Probleme mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in Betracht zieht, so wird offensichtlich, warum es hier keine allgemein gültigen Regeln gibt.

Behalten Sie im Hinterkopf, dass alle positiven Effekte, die der Konsum von Alkohol mit sich bringen könnte, nur dann ihre Wirkung entfalten können, wenn er in Maßen konsumiert wird. Sollten diese Grenzen regelmäßig und/oder extensiv überschritten werden schädigt das die Gesundheit auf jeden Fall und auf mehreren Wegen (auch in Bezug auf die Cholesterin-Werte, wie einige Studien zeigen).

Der Alkoholkonsum ist nur einer von vielen Faktoren der Ernährung und des Lebensstils. Deshalb kann und sollte man sich von ihm keine signifikante Verbesserung der Gesundheit erwarten.

So schwammig diese Zusammenfassung auch klingen mag, so spiegelt sie doch die Ratschläge so gut wie jeden Arztes, jeder Organisation und jedes Gesundheitsexperten wider und kann kurz und prägnant formuliert werden:

  • Sollten sie keinen Alkohol konsumieren, so sind die möglichen gesundheitlichen Vorteile nicht groß genug, um damit anzufangen.
  • Sollten sie regelmäßig Alkohol konsumieren, so kann die Reduktion auf ein angemessenes Niveau das Risiko für alkoholbedingte Krankheiten verringern und möglicherweise einen positiven Einfluss auf den Cholesterinspiegel nehmen und so das Risiko einer Herzkrankheit senken.

Sollten Sie Alkohol trinken, so ist Rotwein als Getränk der Wahl kombiniert mit einer ausgewogenen Ernährung und einem gesunden Lebensstil wahrscheinlich der beste Weg, Ihre Cholesterin-Werte zu verbessern und so das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung zu verringern.


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