Zuckerkrankheit meistern: Ist es möglich, Diabetes rückgängig zu machen?

Was ist dran am Mythos „Diabetes ist heilbar“? Die Wissenschaft hinter der natürlichen Umkehrung von Diabetes

Bradley
Bradley
28. Juni 2021
Grafik vom Hüftumfang einer gezeichneten Person: Sie hält eine Schale mit gesunden Lebensmitteln

Nachdem Sie oder Ihre Angehörige die Diagnose Diabetes erhalten haben, könnte es sein, dass Sie bei Recherchen über Ratgeber gestolpert sind, die sich rund um das Thema „Diabetes ist heilbar“ drehen. Bücher dieser Art haben das Potenzial, sich zu wahren Best­sellern zu entwickeln. Da stellt sich natürlich zu Recht die Frage: „Funktioniert das wirklich?“ Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Deshalb behandelt unser Beitrag heute die wissen­schaftlichen Erkennt­nisse hinter der Umkeh­rung von Diabetes – und wir zeigen, wie Sie diese für sich verwenden können!

Die Wissenschaft hinter der Umkehrung von Diabetes

An dieser Stelle möchten wir betonen: Wenn davon gesprochen wird, „Diabetes rückgängig zu machen“, dann bedeutet das nicht, dass „Diabetes heilbar ist“. Der Mythos ist also falsch. Trotz­dem können diese ganzen Rat­geber dennoch dazu führen, dass Sie eine geringere Dosis Insulin benötigen – für viele Menschen ein großer Erfolg in der Behandlung!

Bei dem Begriff „Umkehrung“ muss jedoch nach dem Dia­betes-Typ unterschieden werden.

Typ 1-Diabetes: Hier sprechen wir im Deutschen eigentlich nicht davon, die Diag­nose umzukehren. Wird erklärt, dass der Blutzucker­spiegel sich auf ein normales Niveau einpendelt und der Diabetiker oder die Diabe­tikerin kein Insulin benötig, spricht man von „Remission“ oder „Honeymoon Phase“.

  • Was bei der Remission passiert: Wird Diabetes-Typ-1 diagnostiziert, sind die eigenen Anti­körper damit beschäftigt, sogenannte Beta­zellen in der Bauch­speichel­drüse zu schädigen, die für die Insulin­produktion verant­wortlich sind. Das Hormon Insulin hält den Blut­zucker in Schach. Bei einem zu hohen Blut­zucker­wert kann es zu Bewusstseins­störungen kommen. Wird nach der Diagnose nun mit der Insulin­therapie begonnen, ist es möglich, dass der Insulin­bedarf absinkt, da noch einige Beta­zellen funktionieren und sich durch das zusätz­liche Insulin erholen können. Diese Phase – die Remission – hält jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum an. Dieser ist von Person zu Person sehr unter­schiedlich. Forschende arbeiten daran, den Remissions­zeitraum auszudehnen.

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    Typ 2-Diabetes: Wenn von einer Umkehrung der Diagnose gesprochen wird, ist in den meisten Fällen eine Verän­derung des Lebens­stils gemeint, die positive Effekte auf Menschen mit Diabetes Typ 2 hat.

    • Was mit Umkehrung gemeint ist: Hierbei wird das Ziel gesteckt, den Blutzucker­spiegel auf einem gesunden Niveau zu halten ohne dabei auf Diabetes-Arznei­mittel zurückgreifen zu müssen. Aber wie soll das eigentlich gehen?

    Fett hat mehrere wichtige Funk­tionen in unserem Körper: Es dient als Iso­lierung gegen Stöße oder Reibung, es speichert Wasser und Energie­reserven und schützt den Körper außer­dem vor Kälte. Eine fett­reiche Ernährung stellt Sie jedoch vor mehr Heraus­forderungen bereit als enger werdende Hosen. Überschüs­siges Fett, also Fett, das der Körper aufnimmt, jedoch nicht sinnvoll verwerten kann, beginnt, sich an Stellen abzu­lagern, an die es nicht hingehört. Leider ist hier eine häufige Anlaufstelle, an der sich das über­schüssige Fett sammelt, die Bauch­speicheldrüse. Wenn es in die Bauchspeichel­drüse gelangt, wird diese dadurch verstopft. Das mindert ihre Fähigkeit zur Insulinproduktion.

    Eine englischsprachige Studie von Forschenden der Universitäten Glasgow und Newcastle lässt darauf schließen, dass bei einer Diät, die zu einen Gewichts­verlust von etwa 15 Kilo­gramm führt, die Probanden ihren Blutzucker­haushalt wieder auf einem gesunden Niveau halten konnten – knifflig war es für die Studien­teilnehmer, die „gesunde Ernährung“ beizubehalten. (Bitte beachten Sie an dieser Stelle: Teil­nehmer der Studie waren übergewichtig und der Gewichts­verlust wurde von medizi­nischen Fach­kräften überwacht. Extre­me Diäten ohne die Betreuung Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin kön­nen negative gesund­heitliche Folgen für Sie haben.)

    Wie Sie Ihren Diabetes in den Griff bekommen – Grundlagen

    Um Diabetes in den Griff zu bekommen und die Insulin­resistenz umzu­kehren, muss also überschüssiges Fett in Muskel- und Leber­zellen abgebaut werden. Es gibt im Wesent­lichen drei Dinge, die in der englisch­sprachigen Studie zur Diabetes-Umkeh­rung als wichtig hervorgehoben werden.

    Pflanzliche, fettarme Lebensmittel

    Eine Ernährung mit fettarmen, ballaststoffreichen Lebens­mitteln wie Obst, Gemüse, Pilzen und Vollkorn­produkten kann die Insulin­empfindlichkeit drastisch verbessern. Fettreiche Lebens­mittel – besonders solche mit gesättigten Fettsäuren – sollten vermieden werden: Pommes frites, Mayonnaise, Paniertes etc.

    Intermittierendes Fasten

    Interm… – wie bitte? Mit dem sogenannten „intermittierendem Fasten“ oder auch „Intervall-Fasten“ können Sie Ihre kardio­vaskuläre Gesund­heit verbessern und Gewicht verlieren. Damit ist gemeint, dass Sie größere Pausen zwischen Ihre Mahl­zeiten legen sollten und Ihr Essen immer etwa zur selben Uhrzeit einnehmen. Sie sollten jedoch nicht versuchen zu fasten, ohne vorher mit Ihrem Arzt zu sprechen, da eine unsach­gemäße Durchführung poten­ziell schädlich sein kann.

    Regelmäßige körperliche Aktivität

    Es hört sich einfach an, aber oft scheitert das Bewegungs­vorhaben an dem einem Punkt: der Regel­mäßigkeit. Wir empfehlen Ihnen, in der MyTherapy-App eine Bewegungs­erinnerung einzurichten. Beispiels­weise einen 15-minütigen Verdauungs­spaziergang nach dem Abend­essen. Mit der Zeit wird dieser Spazier­gang zur Routine – womöglich finden Sie Gefallen daran und erwei­tern Ihre Route oder bauen noch zusätz­liche moderate Sport­einheiten in Ihren Wochen­plan ein. Wenn Sie jeden Tag aktiv sind, steigt ihr Tages­bedarf an Kalorien und somit kommen Sie eher in ein Defizit – in diesem Fall greift ihr Körper auf die zusätz­lichen Fettreserven zurück.

    Auf dem Weg, Diabetes umzukehren: 5 Tipps, die Ihren Insulinspiegel beruhigen

    Rauchen: Stoppen Sie dieses Laster (oder bleiben Sie rauchfrei). Denn Menschen, die regelmäßig rauchen, haben ein 30–40% höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wenn die Diag­nose bereits gestellt ist, ist dies vermutlich ein Anreiz: Die Insulin­empfind­lichkeit wird durch den Konsum von Nikotin beein­trächtigt.

    Wasser: Bleiben Sie stets hydriert – vor allem in den Sommer­monaten kann sich schnell der Durst melden. Im Durschnitt haben Menschen, die stehts ange­messen hydriert bleiben einen signifikant gesünderen Blutzucker­spiegel. Tipp: Immer eine Flasche Wasser in Griffweite haben.

    Alkohol: Selbst mäßiger Alkohol­konsum kann das Risiko, Diabetes zu verstärken, erhöhen. Wenn Sie sich ent­scheiden, trotzdem zu trinken, sollten Sie den Konsum auf weniger als zwei Getränke pro Tag beschränken.

    Stress: Manche Situatio­nen im Alltag sind einfach stressig – hier kann man sich meistens nicht einfach weg­ducken. Zu viel Stress hat jedoch möglicherweise eine negative Auswirkung auf Ihre Insulin­empfind­lichkeit. Wenn es Ihnen schwerer fällt, mit Stress umzu­gehen, können Sie versuchen Meditation in Ihren Tages­plan einzubauen oder kleine Achtsam­keitsübungen zu probieren.

    Experten: Sie müssen sich nicht alleine der Informa­tionsflut zum Thema „Ernährung & Diabetes“ aussetzen – all die Fach­artikel und Internet­portale können sich als ein Dschungel mit lauter versteckten Fehlin­formationen entpuppen. Die Zusammen­arbeit mit einem Ernährungs­berater ist eine hervor­ragende Möglichkeit, Ihre Ernährung besser und gezielt in den Griff zu bekommen. Darunter vor allem auch Spezia­listen, die sich auf Diabetiker-Diäten kon­zentrieren.

    Das Unterfangen Diabetes umzukehren, birgt eine Menge Risiken durch die Verarbeitung von Fehlin­formationen. Grundsätzlich können wir jedoch betonen: Mit einem ange­passten Ernährungs­plan und sorgfältiger Aus­führung ist es möglich, Ihre Blutzucker­werte langfristig auf einem Niveau zu halten, das Ihre Lebens­qualität nicht beeinträchtigt.


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