Einfach mal wegfahren? Reisen mit HIV

Notwendige Reiseunterlagen, gesundheitliche Risikofaktoren und die richtige Handhabung der Medikamente unterwegs – dies gilt es zu beachten, wenn Sie HIV-positiv sind

Lisa Kessner
Lisa Kessner
31. Mai 2021
Titelbild zum HIV-Reise-Artikel: Strandhäuser und Palmen unter blauem Himmel

Das ersehnte Ende der Corona-Pan­demie verspricht uns den Rück­gewinn vieler Frei­heiten. Eine davon ist das Reisen – berufs­bedingt, aus Fern­weh oder der reinen Freude am Ent­decken fremder Kulturen. Wenn Sie HIV-positiv sind, gilt es bei der Einreise ins Ausland einiges zu beachten: Von Gesund­heitsri­siken bis zu notwen­digen Reise­papieren. Wir geben Ihnen einen Über­blick über Reisefaktoren, auf die Sie achten sollten, bevor Sie in den Flieger steigen.

Es gibt noch immer einige Länder die Menschen mit HIV die Einreise verwei­gern oder aus­schließlich kurz­fristige Aufent­halte (meist weniger als 90 Tage) zulassen. In wenigen Ausnahme­fällen – darunter exotische Ziele – besteht das Risiko, dass Men­schen mit HIV noch am Tag der Einreise in den nächsten Flieger gesetzt werden, der sie wieder nach Hause bringt.

Einreisebestimmungen

Bitte beachten Sie: Diese Liste ist nicht vollständig. Sie dient nur als grobe Orien­tierung bei Ländern, die in Deutsch­land als beliebte Urlaubs­ziele bekannt sind. Benötigen Sie genauere Informa­tionen zur Einreise mit HIV in fremde Länder, können Sie eine Anfrage an das Auswärtige Amt stellen oder die Botschaften und Kon­sulate Ihres bevorzugten Reiselands kontaktieren.

Keine Einreise­beschränkungen für HIV-Positive:

  • Australien
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Italien
  • Kroatien
  • Neuseeland
  • Österreich
  • Skandinavien
  • Spanien

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Beschränkungen für lang­fristige Aufenthalte:

  • Singapur
  • Turks- und Caicosinseln
  • Vereinigte Arabische Emirate

Beschränkungen für kurz­fristige Aufenthalte:

  • Ägypten
  • Russland
  • Tunesien

Unklare Rechts­vorschriften zu Ein­reise und Aufenthalt:

  • Aruba
  • Malaysia
  • Malediven
  • Sri Lanka

Die Vereinigten Nationen setzen sich welt­weit gegen die Diskrimi­nierung von HIV-positiven Menschen ein. Seit der Jahr­tausend­wende haben bereits einige Staaten ihre Einreise­bestim­mungen entschärft oder fallen gelassen. Dennoch herrscht in einigen exotischen Ländern ein tief verwurzeltes Misstrauen gegenüber dem HIV-positiv-Status. Trotzdem dürfen wir – von der aktuellen Ent­wicklung ausgehend – einer besseren Zukunft entgegen­blicken, in der Diskri­minierungs­fälle durch länder­über­greifende Gesundheits­kampagnen zurückgehen.

Vorbereitungen auf die Reise

Gesundheitscheck: Planen Sie vor dem Start der Reise aus­reichend Zeit (etwa zwei Monate im Voraus) für einen Besuch in der Praxis Ihrer behan­delnden Ärzte. Hier können Sie nicht nur abklären, ob Sie in der gesund­heitlichen Verfassung sind, zu reisen – Sie können auch potenziell notwendige Impfungen oder Prophy­laxen anfragen und ab­klären, wie Sie mit unvor­herge­sehenen Therapie­unterbrechungen unter­wegs bestmöglich um­gehen können (Beispiel: durch Zeitver­schiebung etc.).

Medikamente: Stellen Sie sicher, dass Sie für den Zeit­raum der Reise mit ausrei­chend Arznei­mitteln versorgt sind. Planen Sie hierbei auch Reserve-Medi­kamente ein und über­legen Sie, ob Sie bestimmte Anfor­derungen für die Lage­rung während des Urlaubs gewähr­leisten können. Die meis­ten Arz­neien müssen kühl und licht­geschützt auf­bewahrt werden, um die Halt­bar­keit zu sichern. Führen Sie für den Not­fall außer­dem einen Medika­menten­plan mit sich, der eine Liste Ihrer Arz­neien und die Bestä­tigung Ihres Arztes ausweist.

Versicherungen: Auslands­reise-Kranken­versich­erungen decken aus­schließlich Ereig­nisse ab, die uner­wartet eintreten. Wenn der HIV-Status vor der Ein­reise bekannt ist, sind alle Behand­lungsmaß­nahmen der HIV-Thera­pie also aus eigener Tasche zu über­nehmen. Sollten Sie unterwegs je­doch beispiels­weise eine Lebens­mittel­vergif­tung erleiden oder Sie ziehen sich eine Verletzung zu, würde die Ver­sicherung diese Kosten übernehmen. Manche Kranken­kassen verlangen vor Abschluss der Versicherung, dass Sie ein ärzt­liches Attest ein­reichen, das belegt dass Sie keine Symp­tome zeigen und medika­mentös gut eingestellt und versorgt sind (bei Online-Abschlüssen oft in den AGB nachzulesen).

Während der Reise

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Aufgrund der Immun­schwäche sind Sie mit einem HIV-positiv-Status bei Fern­reisen anfäl­liger für Magen-Darm-Erkran­kungen. Erreger solcher Infek­tionen ver­breiten sich sehr schnell bei war­men Raum- und Außen­temperaturen und treten vermehrt unter schlechten hygie­nischen Bedingungen auf. Je fortge­schrittener Ihre Immun­schwäche, desto höher ist das Risi­ko für einen schwe­ren Verlauf.

Mücken: Die kleinen Biester übertragen Krank­heiten wie Malaria oder das Dengue-Fieber. Um diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen, sollten Sie während Ihrer Reise auf einen konse­quenten Schutz vor Mücken achten. Tra­gen Sie Klei­dung die Ihre Haut bedeckt, um das Risiko zu redu­zieren. Da Mücken­stiche jedoch meist durch die Klei­dung dringen, empfiehlt sich ein doppel­ter Schutz mit Mücken­spray und Repel­lents. Achten Sie auch darauf, dass Sie den Sonnen­schutz bereits vor dem Insekten­schutz auftragen, damit beides seines Wir­kung zeigen kann. Verhängen Sie Ihren Schlafplatz mit klein­maschigen Moskito­netzen. Meiden Sie unklima­tisierte Räume in der Nähe von Seen oder Tüm­peln als Übernach­tungs­stätte.

Ernährung: Leitungswasser ist welt­weit nur in wenigen Ländern mit Trink­wasser gleichzusetzen. Kaufen Sie abge­packtes Wasser im Super­markt – am besten von Ihnen bereits bekannten Marken. Verwenden Sie dieses auch, um Ihr Obst und Gemüse zu waschen oder um Ihre Zähne zu putzen. Gerade in tro­pischen oder subtro­pischen Ländern ist die sachgemäße Lagerung von Lebens­mitteln nicht immer gewähr­leistet. Gründe dafür sind die hohe Luftfeuch­tigkeit (Anfälligkeit für Schimmel steigt) und die Hitze. Achten Sie daher darauf, dass Sie Ihre Nahrung möglichst frisch von der Quelle erhalten und gut durcherhitzt aufnehmen.

Sonne, Luft und Wasser: Starke Sonnen­einstrahlung steigert nicht nur das Hautkrebs­risiko sondern schwächt außerdem Ihr Immun­system. Wanderungen in den Bergen – in Höhen von etwa 2500 m über dem Meeresspiegel – erfordern eine enorme körper­liche Fitness. Selbiges gilt für den Tauchsport. Hierbei ist eine Tauch­tauglichkeits­unter­suchung erfor­derlich. Beachten Sie beim Tauchen oder Schwimmen außerdem die Keim­belastung von Gewässern, um Erkran­kungen vorzubeugen.

Wieder daheim

Zeigen Sie während und nach der Reise Symp­tome einer Erkrankung oder fühlen sich unwohl, suchen Sie bitte umgehen Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf. Fühlen Sie sich aber vor, während und nach der Reise durchgehend sehr gut, brauchen Sie nichts weiter zu unternehmen, außer auszu­packen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Dieser Beitrag sollte Ihnen als Vorab­information dabei helfen, sich gegen unangenehme Kompli­kationen während Auslands­aufenthalten zu wappnen. Wir hoffen, dass Ihre nächste Reise viele neue Erfahrungen und schöne Erleb­nisse für Sie bereithält.


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