MS-Diagnose – wann kommt der zweite Schub?

Über 80 Prozent aller Multiplen Sklerosen beginnen mit einem schubförmigen Verlauf. Meist kann die Diagnose erst beim zweiten Schub gestellt werden

Lisa Kessner
Lisa Kessner
6. November 2020
Frau sitzt wartend vor weißer Wand: Titelbild zu

Eine Sehnerv-Entzün­dung versetzt Sie plötzlich auf eine neuro­logische Station: Sie lassen unzählige Untersu­chungen über sich ergehen. Gefühlsstö­rungen oder der Verlust über die Kontrolle Ihrer Muskelfunk­tionen bringt Ihren Alltag aus dem Konzept. In vielen Fällen äußert sich auf diese Weise der erste Schub einer begin­nenden Multiplen Sklerose. Lesen Sie heute, wie man einen Schub erkennt und wann man üblicher­weise mit einem zweiten rechnen kann.

Was ist ein MS-Schub?

Als Schub wird das Auf­treten von MS-Anzei­chen bezeichnet – ist es der zweite Schub, können das bereits bekannte oder aber auch neue Symp­tome sein, die für die Nervenentzün­dungen der Multiplen Sklerose sprechen. Bei MS richtet sich der Körper in einer Autoimmun­reaktion gegen die eigenen Myelin­scheiden, eine schützende Hülle der Nerven­bahnen, und verur­sacht auf diese Weise Entzün­dungen.

Um sicher­stellen zu können, dass es sich um einen Schub handelt, muss eine Infek­tion als die Ursache der Symptome ausge­schlossen werden.

Diese Symptome eines MS-Schubs treten häufig auf:

  • Fatigue
  • Gefühls- und Sensibilitätsstörungen
  • Seh- und Augenbewegungsstörungen
  • Spastiken, Lähmungen und Störungen der Koordination
  • Störung der Blasenaktivität

Abhängig davon, welche Art von Ner­ven geschädigt ist, setzten unter­schiedliche Symp­tome ein. Ein Schub dauert in der Regel mindestens 24 Stunden. Mit zuneh­mend mehr Schüben kann, abhängig von der Art der MS, das Risiko einer Behin­derung zunehmen. Nach jedem MS-Schub erfährt die Person einen Funktions­verlust der Nerven, bei dem das Risiko besteht, dass sich die entste­henden Schäden nicht mehr zurück­bilden. Dadurch können sich im zuneh­menden Krankheits­verlauf die Symp­tome summieren und verschlech­tern, bis der Mensch mit Multipler Sklerose beispiels­weise beim Gehen, Sprechen oder Sehen auf Hilfsmittel ange­wiesen ist. Ein MS-Schub kann sehr kräfte­zehrend sein, weshalb viele Per­sonen mit MS das Fatigue-Syndrom oder sogar Depressionen entwickeln.

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    Nach einem Schub bessern sich diese Symp­tome, häufig verschwinden sie für die schub­freie Zeit auch vollständig. Schübe können in einem Abstand von mindes­tens einem Monat bis zu zwei Jahren auftreten.

    Das klinisch isolierte Syndrom: Ist das schon der erste Schub?

    Beim klinisch isolierten Syn­drom (engl. Abkürzung: CIS) treten bei einem Patienten erst­malig Symp­tome für mindestens 24 Stunden auf, die auf MS schließen lassen.

    Erst sobald ein zweiter Schub von MS-typischen Symp­tomen auftritt, kann die Erkrankung an Multipler Sklerose in der Regel eindeutig identi­fiziert werden. Dann ist ein Besuch bei einem Neuro­logen unbedingt erforderlich, damit die Erkran­kung so früh wie möglich festge­stellt werden kann. Dieser macht eine Reihe Unter­suchungen, beispiels­weise einen MRT-Scan Ihres Gehirns.

    Mit einer frühzeitigen Diag­nose und einer guten Therapie lassen sich die folgenden Schübe länger hinaus­zögern, um das Risiko einer früher eintre­tenden Behin­derung zu minimieren.

    Doch nicht jede Form der MS tritt schub­weise auf: Eine Ausnah­me bildet die primär progre­diente Form der MS, die etwa zehn Prozent aller MS-Patienten betrifft – diese Art tritt meist ab dem 40. Lebensjahr auf und ist gekenn­zeichnet von einem, sich konstant entwick­elndem Krankheits­verlauf und einem, sich damit erhöhendem Risiko einer Behin­derung.


    Lesen Sie hier nach, welche Formen der Multiplen Sklerose es gibt:
    MS: Was Sie über die verschiedenen Typen wissen sollten


    Wann kommt der zweite Schub und wie kann man ihm vorbeugen?

    Zwei Schübe erfolgen in einem Abstand von mindestens 30 aufein­anderfol­genden Tagen, in denen Sie keinen Symp­tome zeigen. Das ist eine medizi­nische Vorgabe: zeigen Sie einen längeren Zeitrah­men keine Anzeichen einer Multiplen Sklerose, können Ärzte Rück­schlüsse auf den Rück­gang der Entzün­dungspro­zesse an Ihren Nerven ziehen.

    Denn in etwa 90 % der Fälle bilden sich diese Entzün­dungen zurück und der Schub der Multiplen Sklerose klingt ab, damit später ein neuer entstehen kann.

    Mit dieser einmona­tigen Marke grenzt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin also den ersten Schub vom zweiten ab. Desto länger dieser Abstand ist, desto milder kann die MS bei Ihnen verlaufen.

    Handeln Sie so früh wie möglich: Be­sprechen Sie mit Ihrem Neuro­logen, ob ein Verdacht auf MS beste­hen könnte. Eine frühe Behand­lung von MS kann die Anzahl der auftre­tenden Schübe im spä­teren Krankheits­verlauf verrin­gern.

    Wie lange dauert ein MS-Schub, wenn er nicht mit Medikamenten behandelt wird?

    Unbe­handelt dauert ein Schub der Multiplen Sklerose länger als mit Medika­menten. Patienten sagen, dass er ohne eine medika­mentöse Therapie unange­nehmer wird. Es besteht das Risiko, dass ein be­stimmter Anteil der Symp­tome dauer­haft bleibt. Je eher ein Schub behan­delt wird, desto eher sind bleibende Schä­den am zentralen Nerven­system vermeidbar.

    Wie lange ein MS-Schub dauert, ist sehr indivi­duell und von der Schwere des Schubs abhängig.

    Kein Schub: Das Uhthoff-Phänomen

    Erhöhen sich die Tempera­turen – sei es sommerliche Hitze oder das körper­eigene Fieber – treten bei etwa 80 % aller Men­schen mit Multipler Skle­rose verstärkt Symp­tome auf. Man nennt es das Uhthoff-Phänomen, ein sogenannter „Pseudo-Schub“. Der Augenarzt Wilhelm Uhtoff erklärte, dass die Verschlech­terung des gesund­heitlichen Zustands bei Hitze durch körper­liche Anstren­gung zutage tritt.

    Bei manchen Betrof­fenen reichen ein Besuch in einem Dampf­bad, einer Sauna oder in einer heißen Dusche für die Verstär­kung der MS-Symptome aus. Die Anzei­chen bilden sich jedoch immer wieder zurück.

    Meiden Sie die Aus­löser: Duschen sie kalt, verwenden Sie Ventila­toren und Klima­anlagen, verzichten Sie auf Urlaube in den Tropen oder der Wüste und auf Sauna­gänge.

    Wie stellt man die MS-Diagnose?

    Erst wenn ein zweiter Schub auftritt, liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht nur um ein klinisch iso­liertes Syndrom handelt, sondern dass die Symp­tome auf Multiple Sklerose zurück­zuführen sein könnten. Der erste Ansprech­partner ist in diesem Fall Ihr Hausarzt oder Ihre Haus­ärztin, dieser über­weist Sie an einen Nerven­facharzt, einen Neurologen.

    Was macht dieser Neurologe? Er prüft: die Funk­tion Ihrer Sinnes­organe, Ihr Gleich­gewicht sowie Beweg­lichkeit und Koor­dination. Weitere Tests liefern Hinweise darauf, ob es MS sein könnte. Summieren sich diese Hinweise, kann eine Multiple Sklerose diagnos­tiziert werden. Im Folgenden sind diese Tests aufgelistet:

    • Untersuchungen des Nervenwassers: Das Verfahren heißt Liquor­diagnostik und prüft, ob sich im Nervenwas­sern sogenannte Oligoklonale Banden befinden
    • Nervenuntersuchungen: Die Leit- und Funktions­fähigkeit Ihrer Nerven wird auf Herz und Nieren über­prüft. Dabei werden evozierte Potenziale gemessen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Mit der Kernspinto­mographie kann der Neuro­loge Bilder Ihres Gehirns anfer­tigen und dadurch Entzün­dungsherde darin fest­stellen
    • McDonald-Kriterien: Diese Kriterien bestim­men eine räumliche und zeit­liche Verteilung der MS-An­zeichen. Anhand dieser Richt­linien kann ein Arzt bestim­men, ob es sich tat­sächlich um Multiple Sklerose handelt.
    • Blutuntersuchungen und Ausschlussdiagnosen: Infektiöse Erkran­kungen müssen ausge­schlossen werden. Wie beispielsweise Syphilis, HIV oder Bor­reliose. Das Blut darf bei MS ebenfalls keine Auffällig­keiten zeigen, da sich die Entzün­dungs­herde an den Nerven­bahnen befinden und damit nicht in Kontakt geraten.

    Wie es nach der Diagnose weitergeht: Je früher die Multiple Sklerose diagnos­tiziert wird, desto besser lässt sie sich behan­deln. Damit steigt auch die Lebens­erwartung, die bei einem MS-Patienten heute so hoch sein kann wie die Lebens­erwartung eines gesunden Menschen.

    Fazit

    Bei jeder Person mit Multipler Sklerose äußert sich der Schub anders. Wann, ob und wie der zweite Schub auftritt, hängt von der Art der MS ab. Oftmals bilden sich die Entzün­dungspro­zesse wieder zurück. Weil sich eine MS auf verschie­dene Arten äußern kann, hängt die Diag­nose oftmals vom Auf­treten eines zwei­ten Schubs ab und es bedarf mehrerer Unter­suchungen, um eine Multiple Sklerose festzu­stellen. Gibt es keinen zweiten Schub, spricht man bei einer ein­zigen Episode von MS-Symptomen von einem soge­nannten klinisch isolierten Syndrom.


    Lesen Sie mehr über die Multiple Sklerose auf unserem Blog:

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