Ihr Partner hatte einen Herzinfarkt? 10 Tipps für die Nachsorge, die Ihnen beiden helfen

Angehörige trifft eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ebenso – diese Ratschläge helfen Ihnen, mit der neuen Situation umzugehen

Lisa
Lisa
4. Juli 2019
Mann und Frau tanzen – Titelbild zur Unterstuetzung des Partners nach einem Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt kommt plötzlich, oft ohne Vorwarnung und trifft Menschen, die gerade noch mitten im Leben standen. Doch nicht nur für denjenigen, der den Infarkt hatte, sondern auch für den Partner oder die Partnerin ist ein solches Ereignis ein Schock. Verun­sicherung, Angst, Frust, Zweifel und Überforderung sind Gefühle, mit denen sich auch Angehörige auseinander­setzen müssen. Hinzu kommen oft schlaflose Nächte, in denen man lauscht, ob das Herz des Partners noch schlägt. Gerade im Chaos der ersten Zeit ist der Umgang mit der neuen Situation alles andere als einfach. Nicht selten richten Angehörige ihr Leben dann vollständig an den Bedürfnissen des Erkrankten aus und auch in der Beziehung dreht sich nahezu alles um den Herzinfarkt. Das ist keine leichte Situation für beide Partner und sollte auf keinen Fall zum Dauerzustand werden. Deshalb haben wir 10 Tipps für Sie gesammelt, die Ihnen als Lebensgefährten helfen, die neue Situation zu bewältigen und wieder Normalität in den Alltag zu bringen.

1. Gemeinsam den Lebensstil anpassen

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung eines Herzinfarktes. Deshalb ist es nur logisch, dass diese verändert werden müssen, damit das Herz in Zukunft nicht wieder leiden muss. An erster Stelle steht der Rauchstop, denn dass die schädlichen Stoffe in Zigarettenrauch dem Herzen schaden, ist kein Geheimnis. Sind Sie selbst Raucher, bemühen Sie sich gemeinsam mit Ihren Liebsten aufzuhören. Setzen Sie sich dieses Ziel zusammen, können Sie sich gegenseitig motivieren und dabei unterstützen, es zu erreichen.

Während der Tabak wegfällt, kommt etwas anderes hinzu: Die Einnahme von Medikamenten. Auch hierbei können Sie unterstützen, indem Sie Ihren Lebens­gefährten beispielsweise an die Einnahme erinnern, bis er sich an diese Routine gewöhnt hat. Nutzen Sie hierfür einfach die Team-Funktion der MyTherapy App. Das gibt nicht nur Ihrem Partner Sicherheit, sondern nimmt auch Ihnen selbst die Sorge davor, dass Ihr Partner die Medikamente vergessen könnte.

Gesunde Ernährung – gerne mediterrane Kost – und Bewegung gehören natürlich ebenfalls zur Lebensstiländerung. Nicht nur demjenigen, der einen Herzinfarkt hatte, sondern auch den Angehörigen kommt dies zu Gute. Gemeinsam können Sie dadurch positiv auf die Gesundheit der gesamten Familie Einfluss nehmen und ganz nebenbei bei Spaziergängen oder dem gemeinsamen Kochen wertvolle Zeit verbringen, die Sie zusammenschweißt und das seelische Wohlbefinden fördert.

2. Zeit für sich selbst nehmen

Sie opfern einen Großteil Ihrer Zeit der Krankheit Ihres Partners – sei es, dass sie nur daran denken oder versuchen sich um alles Anstehende zu kümmern und einfach zu funktionieren. Immerhin gibt es nach einem Herz-Kreislauf-Ereignis viel zu erledigen. Arztbesuche müssen organisiert, Tabletten regelmäßig eingenommen, Reha-Maßnahmen eingeleitet, mit Versicherungen oder Arbeitgeber gesprochen werden.

Besonders in der ersten Zeit nach einem Herzinfarkt dreht sich deshalb alles um die neue Situation. Doch bei aller Organisation und der Sorge, die Sie sich um Ihren Partner und Ihr gemeinsames Leben machen, sollten Sie eines nicht vergessen: sich selbst. Denn wenn Sie sich und Ihre Bedürfnisse in einem Strudel aus Aufgaben und Sorgen vernachlässigen, hilft dies weder Ihnen, noch Ihrem Lebensgefährten.

Gönnen Sie sich deshalb bewusst Auszeiten. Gehen Sie spazieren, ins Kino oder zum Sport, treffen Sie sich mit Freunden, lesen Sie ein gutes Buch oder gönnen Sie sich etwas anderes, das Ihnen guttut. Versuchen Sie abzuschalten, Ihre Sorgen für eine Weile zu vergessen und konzentrieren Sie sich ganz auf die Dinge, die Ihnen Kraft geben. Damit helfen Sie nicht nur sich selbst, mit der Situation besser umgehen zu können, sondern können auch wieder ganz für Ihren Partner da sein.

3. Für die eigene Gesundheit sorgen

Gerade in Zeiten, in denen der Partner eine schwere Erkrankung verarbeiten muss, wird oft die Gesundheit des anderen vernachlässigt. Achten Sie darauf, dass es nicht so weit kommt. Meist helfen schon vermeintliche Kleinigkeiten: Ernähren Sie sich gesund, essen Sie regelmäßig, bewegen Sie sich ausreichend und versuchen Sie, genügend zu schlafen.

Auch auf Ihre seelische Gesundheit sollten Sie in einer Situation wie dieser besonders Acht geben. Denn die Probleme und Sorgen erscheinen in einer Situation, in der der Partner einen Herzinfarkt hatte, oft übermäßig groß und nahezu nicht zu bewältigen. Gehen Sie sorgsam mit sich um, probieren Sie gegebenenfalls Meditation, Yoga oder Achtsamkeitsübungen aus.

Sprechen Sie über Ihre Sorgen und Ängste mit Freunden, Bekannten oder auch Therapeuten, die Ihnen dabei helfen, die Herausforderungen zu meistern und Ihre psychische Gesundheit zu erhalten. Auch Selbsthilfegruppen bieten eine gute Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und sich Ratschläge aus erster Hand zu holen.

4. Hilfe annehmen

Sie und Ihr Partner sind nicht auf sich allein gestellt. Familie und Freunde sind in einer Situation, in der sich das Leben zunächst einmal auf den Kopf stellt, Gold wert. Nehmen Sie die Hilfe, die Ihnen angeboten wird, an. Egal ob es darum geht, zu einem Kontroll­termin zu fahren, Medikamente in der Apotheke abzuholen oder die Einkäufe zu erledigen.

Gerade in der ersten Zeit nach dem Herzinfarkt müssen Sie und Ihr Partner sich an die neue Situation gewöhnen. Bis sich der Alltag wieder eingespielt hat, wird es eine Weile dauern. Unterstützung anzu­nehmen oder danach zu fragen, zeugt nicht von Schwäche, sondern davon, dass Sie alles dafür tun, wieder zur Normalität zurückzukehren.

5. Zum Arzt begleiten

Nach einem Herzinfarkt stehen Arztbesuche bei verschiedenen Spezialisten an. Der Kardiologe ist die erste Anlaufstelle. Aber auch der Hausarzt und – je nach Ursache des Infarkts – verschiedene andere Fachärzte werden zu Rate gezogen, um die Therapie individuell anzupassen.

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Begleiten Sie Ihren Partner nach Möglichkeit zu diesen Terminen. Es ist nicht nur so, dass vier Ohren mehr hören als zwei und Sie Ihrem Partner die Aufregung nehmen können. Sie selbst können sich aus erster Hand informieren und beraten lassen, was wiederum zu Ihrer Entlastung und Beruhigung beiträgt.

Wenn Sie Hintergrundinformationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten, wissen Sie, womit Sie es zu tun haben, was auf Sie zukommen kann, wie die Prognose lautet, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und wie Sie aktiv zur Genesung beitragen können. Sie können auf dieser Basis auch besser abschätzen, was Sie dem anderen zutrauen können, wobei Sie unterstützen und in welchen Bereichen Sie sich zurücknehmen und weniger sorgen sollten.

6. Gefühle zulassen

Auch Ihr Leben und nicht nur das Ihres Partners ist – zumindest vorübergehend und – sehr plötzlich aus den Fugen geraten. Neben der Sorge um den Gesundheitszustand kommen oft weitere Fragen auf: Wie geht es weiter, wie wirkt sich die Krankheit auf die Beziehung aus? Wahrscheinlich fragen Sie sich aber auch, wie sich Ihr eigenes Leben verändern wird, welche Belastungen auf Sie zukommen, oder ob Sie nun die Familie alleine ernähren müssen.

Es werden sich vielleicht auch Gedanken und Gefühle einstellen, die Sie erschrecken: Neben der Sorge und dem Stress fühlen Sie sich womöglich allein gelassen von Bekannten, Familie und Freunden. Immerhin steht der Erkrankte im Mittelpunkt. Unter Umständen ertappen Sie sich sogar dabei, dass sich ab und an negative Gefühle gegenüber Ihrem Partner einschleichen: Frust, weil er den Lebensstil nicht verändert, die Medikamente nicht regelmäßig einnimmt oder nach dem Herzinfarkt in ein seelisches Tief fällt, aus dem Sie ihm nicht heraushelfen können.

Lassen Sie diese Gefühle zu und fühlen Sie sich deshalb nicht schuldig. Schon gar nicht sollten Sie sich – weder von sich selbst, noch von anderen – Schuldgefühle einreden lassen. Sie können weder etwas für den Infarkt (auch nicht, falls Sie sich gerade in einer Partnerschaftskrise befunden haben oder der Alltag sehr stressig war) noch dafür, dass Sie sich mit der neuen Situation überfordert fühlen.

Vertrauen Sie sich jemandem an und sprechen Sie auch mit Ihrem Partner über Ihre Gedanken und Gefühle. Womöglich hilft Ihnen in dieser Situation auch eine gemeinsame Therapie oder Gespräche mit anderen Menschen, die sich in der gleichen Situation befinden.

7. Gemeinsame Bewältigungs­strategien finden

Grundsätzlich ist es in einer Partnerschaft wichtig, an einem Strang zu ziehen. Das gilt auch für die Bewältigung eines Herzinfarktes. Jeder hat seine eigene Art und Weise mit einem solchen Ereignis umzugehen. Unter Umständen macht sich Ihr Partner sogar weniger Gedanken um die Erkrankung und Ihre Konsequenzen als Sie, vergisst die Einnahme von Medikamenten oder will sich schlicht nicht mit der Erkrankung befassen, während Sie permanent in Sorge sind und sich Ihre Gedanken im Kreis drehen. Vielleicht stehen Sie der Situation aber auch optimistischer gegenüber als Ihr Partner, der sogar in eine Depression verfallen kann. Frustration, Hilflosigkeit, vielleicht sogar Wut können die Folge beider Situationen sein.

Wichtig ist es, dass Sie eine gemeinsame Bewältigungsstrategie finden, die die Gefühle und Gedanken von Ihnen beiden widerspiegelt und mit der Sie beide zurechtkommen. Bis diese gefunden ist, kann es eine Weile dauern. Verzweifeln Sie nicht, geben Sie sich und Ihrem Partner Zeit und Raum, machen Sie sich bewusst, wie jeder von Ihnen mit der Lage umgeht und sprechen Sie offen über Ihre Ängste. So werden Sie mit der Zeit einen gemeinsamen Weg finden, die Erkrankung zu bewältigen.

8. Keine Angst vor Zärtlichkeit

Es mag nicht der erste Gedanke sein, der Ihnen in den Sinn kommt, wenn Ihr Partner gerade einen Herzinfarkt hatte. Doch irgendwann werden Sie sich – und er sich womöglich auch – fragen, wie es mit Ihnen als Paar weitergeht. Können Sie weiterhin Zärtlichkeiten austauschen? Wie sollten Sie ab sofort mit dem Thema Sexualität umgehen? Müssen Sie darauf achten, dass sich Puls und Blutdruck in einem bestimmten Rahmen bewegen? Können Sie gar einen weiteren Herzinfarkt auslösen, wenn Sie Dinge tun, die ein Paar nun einmal tut?

Natürlich sollten Sie die Leistungsgrenze Ihres Partners beachten und Warnzeichen wie ein Engegefühl in der Brust ernst nehmen. Wenn er aber wieder problemlos leichte Sportarten treiben, längere Spaziergänge unternehmen kann und ein Belastungs-EKG bewältigt, brauchen Sie vor sexuellen Aktivitäten nicht zurückschrecken. Denn tatsächlich klettert der Puls dabei nur selten in Regionen, die wirklich besorgniserregend werden können.

Im Gegenteil kann sich ein erfülltes Sexualleben positiv auf die Herzgesundheit auswirken, Stress abbauen und das seelische Wohlbefinden steigern. Haben Sie dennoch Bedenken, äußern Sie diese gegenüber Ihrem Partner. Denn Ihre Zurückhaltung könnte er womöglich falsch auslegen und denken, er sei nicht mehr attraktiv für Sie.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, sprechen Sie außerdem mit einem Arzt. Er kann Sie genau darüber aufklären, wie Sie sich verhalten sollten und ob Sie bedenkenlos Spaß haben können.

9. Seien Sie vorbereitet

Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, haben ein höheres Risiko, einen weiteren Infarkt zu bekommen. Dieser Punkt macht Angehörigen oft besonders Angst. Während Sie am Anfang häufig daran denken werden, nimmt die Angst mit der Zeit ab.

Dennoch sollten Sie für den Fall der Fälle vorbereitet sein – nicht nur, um Ihrem Partner im Ernstfall helfen zu können, sondern auch, um selbst beruhigter zu sein. Daher sollten Sie die Anzeichen für einen Herzinfarkt kennen und darauf achten, ob Ihr Partner von Schmerzen in der Brust, die auch in Arm, Bauch oder Hals ausstrahlen können, einem Brennen, Engegefühl oder Atemnot berichtet. Auch kalter Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen können auf einen Infarkt hindeuten.

Versuchen Sie trotzdem, nicht gleich in Panik zu geraten, wenn ein eher unspezifisches Anzeichen wie Übelkeit auftritt. Es kann sich durchaus auch um eine harmlose Erkrankung handeln. Um im Ernstfall sofort helfen zu können, sollten Sie darüber nachdenken, einen Erste-Hilfe-Kurs zu belegen. Er ermöglicht es Ihnen nicht nur, sofort lebensrettende Maßnahmen einleiten zu können, sondern sorgt auch dafür, dass Sie sich besser gewappnet fühlen und damit weniger Angst im Alltag vor einem erneuten Infarkt haben.

10. Fürsorge ja – aber nicht übertreiben

Bei allem, was Sie durchmachen, wenn Ihr Partner einen Herzinfarkt hatte, sollten Sie dennoch nicht überfürsorglich werden. Sie dürfen und sollen sich kümmern, Ihren Partner unterstützen und Ihm dabei helfen, die Situation besser bewältigen zu können.

Auch wenn Sie Angst haben oder nicht damit einverstanden sind, wie Ihr Partner mit seinem Infarkt umgeht, sollten Sie es mit Ihrer Fürsorge aber nicht übertreiben. Rufen Sie nicht im Minutentakt an, bloß weil sich Ihr Partner einmal um eine halbe Stunde verspätet, schreiben Sie ihm nicht ständig vor, was er essen darf und was nicht und bemuttern Sie ihn nicht permanent.

Auch wenn es schwer sein mag, vertrauen Sie darauf, dass Ihr Partner auf seinen Körper hört und mit Ihnen spricht, wenn er Ihre Unterstützung benötigt oder sich nicht wohl fühlt. Sie sind in erster Linie immer noch ein Paar und nicht Pflegepersonal und Patient. Wenn Sie das beherzigen, werden Sie nicht nur die erste besonders schwere Zeit nach einem Herzinfarkt meistern, sondern auf Ihrem weiteren gemeinsamen Weg noch enger zusammenwachsen.


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