Schlaganfall – was Sie jetzt wissen müssen, von TIA bis Reha

Wir beantworten die häufigsten Fragen zum Thema „Hirnschlag“

Lisa
Lisa
25. Juni 2019
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Ein Schlaganfall kann jeden treffen – auch junge Menschen. Einen guten Arzt an seiner Seite zu haben, ist in dieser Situation besonders wichtig. Denn selbst wenn der Schlaganfall keine schwerwiegenden Folgen hat und nur wenige bleibende Schäden hinterlässt, ist das Ereignis ein Schock, der viele Fragen aufwirft. Wir liefern Antworten auf einige von diesen, um Menschen, die einen Hirnschlag hatten sowie deren Angehörigen einen ersten Überblick zu verschaffen. Natürlich sollten Sie alle Ihre Fragen dennoch Ihrem behandelnden Arzt stellen – denn jeder Mensch und auch jeder Schlaganfall ist anders.

1. Was passiert bei einem Schlaganfall?

Um richtig zu arbeiten, benötigt das Gehirn genügend Sauerstoff. Dass diese Versorgung nicht mehr gewährleistet ist und ein Hirnschlag eintritt, kann unterschiedliche Ursachen haben.

In den meisten Fällen wird ein Schlaganfall verursacht, wenn die Blutversorgung des Gehirns beeinträchtigt ist. Grund hierfür ist, dass ein Blutgerinnsel oder Ablagerungen, wie sie beispielsweise durch eine Arteriosklerose entstehen, ein Gefäß blockieren. Dadurch wird der Blutfluss und damit die Sauerstoffzufuhr unterbrochen.

Auch Gehirnblutungen können einen Schlaganfall auslösen. Platzt ein Blutgefäß im Hirn, kann dies die Funktion in bestimmten Bereichen beeinträchtigen. Die Zellen werden nicht mehr mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, können dadurch schweren Schaden nehmen und absterben. Die Folgen sind neurologische Probleme, die bei vielen Schlaganfällen auftreten.

2. Was bedeutet TIA?

Eine TIA (transitorische ischämische Attacke) wird häufig auch als Mini-Schlaganfall bezeichnet. Frei übersetzt bedeutet TIA: Attacke mit vorübergehender, verminderter oder unterbrochener Durchblutung.

Die Ursache ist meist ein Blutpfropfen, der ein Blutgefäß blockiert, sich aber von selbst wieder auflöst. Eine TIA kann ein Vorbote für einen Schlaganfall sein, da sie bei rund 40 Prozent der Menschen, die einen Schlaganfall haben, vorher auftritt.

Eine TIA geht mit neurologischen Störungen einher, die sich jedoch vollständig zurückbilden. Die Hauptausfallerscheinungen halten nicht länger als 24 Stunden – manchmal sogar nur einige Minuten – an, sind denen eines Schlaganfalls aber sehr ähnlich (halbseitige Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprach-, Gefühls- und Gleichgewichtsstörungen, Seh- und Hörstörungen).

Es gilt deshalb auch hier: Sofort ins Krankenhaus! Denn die Ursachen für die transitorische ischämische Attacke müssen unbedingt abgeklärt werden, um eine Behandlung einzuleiten und einem Schlaganfall vorzubeugen.

3. Wie stehen meine Heilungschancen nach einem Schlaganfall?

Eine genaue Prognose zum Verlauf der Genesung lässt sich schwer stellen. Da jeder Schlaganfall anders ist, sollten Sie darüber in jedem Fall mit Ihrem Arzt sprechen und die vorgegebene Therapie exakt einhalten. Zusammenfassend lässt sich aber festhalten: Je kleiner das betroffene Hirnareal und je schneller ein Mensch, der einen Schlaganfall hat, ärztliche Hilfe bekommt, umso besser sind die Chancen einer nahezu vollständigen Genesung. Denn es gilt „Zeit ist Hirn“: Je kleiner der geschädigte Bereich, umso geringer ist der zu erwartende (bleibende) Schaden.

Junge Menschen haben außerdem in der Regel eine höhere Genesungschance als Ältere. Dies ist mit der Plastizität des Gehirns zu erklären, die bei jungen Menschen noch besser ist. Konkret bedeutet das, dass andere Hirnareale die Funktionen der Bereiche übernehmen können, die geschädigt sind.

4. Welche Sofort­maßnahmen werden bei einem Schlaganfall eingesetzt?

So schnell wie möglich muss die Blutversorgung des Gehirns wiederhergestellt werden. Sogenannte Stroke-Units, die in vielen – vor allem größeren – Kranken­häusern vorhanden sind, sind darauf vorbereitet, Menschen, die einen Schlaganfall hatte, schnellstmöglich zu helfen. Es handelt sich dabei um Stationen, die über spezielle technische Mittel und die fachlichen Ressourcen verfügen, um einen Schlaganfall schnell und kompetent zu versorgen.

Wurde der Schlaganfall durch eine verstopfte Ader ausgelöst und sind die Blutgefäße, wenn die ärztliche Notfallbehandlung eingeleitet wird, immer noch verschlossen, können diese mittels einer Lyse wieder geöffnet werden. Dabei handelt es sich um eine medikamentöse Therapie, die das Blutgerinnsel auflösen soll. Bei einer lokalen Lyse werden die Medikamente über einen Katheter ans Gerinnsel herangeführt und wirken dort direkt.

Bis zu 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall ist es in einigen Fällen außerdem möglich, eine systemische Lyse durchzuführen. Dabei erhält der Patient intravenös den Wirkstoff rtPA, der ein Blutgerinnsel-abbauendes Enzym aktiviert. Unter Umständen wird auch ein Stent (eine Gefäßstütze) gesetzt, der das betroffene Gefäß offenhalten soll. Befindet sich das Gerinnsel an den großen Hirngefäßen, kann eine mechanische Thrombektomie durchgeführt werden, wobei das Gerinnsel mit Hilfe eines dünnen Katheters aufgelöst wird.

Handelt es sich um einen roten Schlaganfall in Folge von Gehirnblutungen, muss die Blutung so schnell wie möglich gestoppt werden. Eine Lysetherapie darf hier nicht zum Einsatz kommen, da die blutverdünnenden Medikamente dafür sorgen können, dass weiteres Blut ins Gehirn tritt und die Beschwerden verschlimmert. In einem solchen Fall muss daher unter Umständen das Blut zunächst chirurgisch aus dem Gewebe entfernt werden.

5. Welche Medikamente helfen, damit ich keinen weiteren Schlaganfall bekomme?

Nach der Akutbehandlung schließt sich eine medikamentöse Therapie an, die vor allem dazu dienen soll, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern. Sie werden diese Medikamente höchstwahrscheinlich ein Leben lang einnehmen müssen.

Zu den Gerinnungs­hemmern, die eingesetzt werden, zählen Thrombozyten­aggregationshemmer (Plättchenhemmer) wie ASS und Cumarine wie Marcumar. Seit einigen Jahren gibt es zudem mit Xarelto (Rivaroxaban), Eliquis (Apixaban), Pradaxa (Dabigatran) und Lixiana (Edoxaban) eine neue Generation von Gerinnungshemmern, die zugleich Schlaganfallprophylaxe und einfache Handhabung versprechen. Je nachdem, welche Ursachen für den Hirnschlag vorliegen, können auch Antihypertensiva wie ACE-Hemmer oder Betablocker eingesetzt werden, die einen zu hohen Blutdruck senken. Wird außerdem ein hoher Cholesterinspiegel festgestellt, verordnet Ihnen Ihr Arzt außerdem Lipidsenker.

Über weitere Maßnahmen wie Physio- oder Sprachtherapie sowie eine eventuelle Psychotherapie wird im weiteren Verlauf – oft während einer Reha – entschieden.

6. Wie groß ist die Gefahr, einen weiteren Schlaganfall zu bekommen?

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Die Gefahr für einen zweiten Schlaganfall ist in den ersten Wochen nach dem Hirnschlag am höchsten. Die Ursache hierfür ist, dass für jeden zunächst eine individuell passende Therapie gefunden werden muss. Oft benötigen die einzelnen Therapiemaßnahmen außerdem einige Zeit, bis sie vollständig wirken.

Sie können Ihr Risiko auch selbst positiv beeinflussen. Denn je besser Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Bewegungsmangel, Übergewicht und Tabakkonsum in den Griff bekommen, umso geringer ist die Wahrschein­lichkeit für einen weiteren Hirnschlag.

Achten Sie auch nach einigen Jahren noch darauf, nicht in alte, ungesunde Verhaltensmuster zu verfallen. Denn die Gefahr eines weiteren Hirnschlags steigt dann wieder an, weil die ungesunden Lebensweisen erneut aufgenommen werden und die Therapie mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Schlaganfall teilweise vernachlässigt wird. Viel haben Sie also selbst in der Hand!

7. Nach der Behandlung habe ich noch nicht alle meine Fähigkeiten zurück. Was kann ich tun?

In einer speziellen Reha, die sich an einen Krankenhausaufenthalt oft anschließt, lernen Menschen, die einen Schlaganfall hatten, mit der Situation umzugehen. Hier wird auch, durch genau auf Sie abgestimmte Therapie­methoden, dafür gesorgt, dass Sie alltägliche Handlungen wie Gehen und Sprechen wieder erlernen oder diese verbessern.

Eine mehrwöchige Reha ist ein sehr guter Anfang, um – vor allem nach einem schweren Schlaganfall – den Weg zurück in den Alltag zu finden. Auch nach vielen Wochen oder Monaten können Sie durch Physio- oder Logotherapie noch Fortschritte erzielen. Immerhin müssen die gesunden Bereiche des Gehirns erst lernen, die neuen Aufgaben zu übernehmen. Das benötigt Zeit. Verlieren Sie deshalb nicht die Geduld mit sich!

8. Darf ich wieder Sport treiben?

Sie sollten nach einem Schlaganfall nicht sofort einen Marathon bestreiten. Leichte sportliche Aktivitäten sind aber durchaus zu empfehlen. In einer Reha werden Sie beispielsweise mit Reha-Sport beginnen (der übrigens ganz schön schweißtreibend sein kann). Sportarten, die besonders geeignet sind, sind (Wasser-)Gymnastik, Schwimmen, Radfahren, Wandern oder Walken. So verbessern Sie Ihre Ausdauer, Koordination und Flexibilität.

Verzichten sollten Sie besonders am Anfang auf Kampfsportarten und alle sportlichen Aktivitäten, die eine zu hohe Belastung und einen zu schnellen Blutdruckanstieg nach sich ziehen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt. Er weiß, welche Art Aktivität für Ihren aktuellen Gesundheits­zustand am besten ist. Gibt er das O.K., steht auch anstrengenderen Sportarten nichts im Weg.

9. Darf ich nach dem Schlaganfall wieder Auto fahren?

Es ist grundsätzlich nicht verboten, nach einem Schlaganfall wieder Auto zu fahren. Allerdings muss Ihr gesundheitlicher Zustand es zulassen oder ein Auto speziell für Ihre Bedürfnisse umgebaut werden. Generell darf allerdings niemand fahren, der neurologische oder neuropsychologische Ausfälle hat.

Auch wenn die Behörden normalerweise nicht über Ihren Schlaganfall informiert werden, sollten Sie sich Ihre Fahrtüchtigkeit von einem Facharzt, wie einem Neurologen mit verkehrsmedizinischer Qualifikation, bestätigen lassen. So stellen Sie sicher, dass Sie keine rechtlichen Konsequenzen fürchten müssen. Unter Umständen kommen allerdings weitere Untersuchungen, Fahrstunden oder eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) auf Sie zu. Das kann mit erheblichen Kosten verbunden sein. Informieren Sie sich deshalb, ob Sie Zuschüsse bei der Berufsgenossenschaft, der Bundesagentur für Arbeit, Versicherungen oder der Unfallkasse beantragen können.

10. Ich verstehe die Fachbegriffe im Arztbrief nicht genau. Was bedeutet...

... ischämischer Schlaganfall?

Er wird auch weißer Schlaganfall genannt und tritt aufgrund eines Blutgerinnsels oder Arteriosklerose in Folge verstopfter Blutgefäße auf. Mit 80 bis 90 Prozent betrifft der ischämische Schlaganfall die meisten Menschen.

... hämorrhagischer Schlaganfall

Dieser – auch als roter Schlaganfall bezeichnete – Gehirnschlag kommt mit 10 bis 20 Prozent seltener vor und ist eine Folge von Gehirnblutungen, die zu einer Durchblutungsstörung führen.

... Apoplex

Apoplex, Apoplexie, Gehirnschlag, Hirninsult, apoplektischer oder zerebraler Insult sind andere Bezeichnungen für den Schlaganfall.

... intrazerebrale Blutung

Eine intrazerebrale Blutung ist eine Blutung in die Hirnsubstanz, die nicht auf ein traumatisches Ereignis (wie einen Schlag auf den Kopf) zurückzuführen ist und einen Schlaganfall auslösen kann. Hoher Blutdruck, Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum können solche Blutungen begünstigen.

... Hämorrhagie

Dieser Begriff steht für Blutung.

... Hemiparese

Bei der Hemiparese handelt es sich um eine leichte, unvollständige Lähmung auf einer Körperhälfte.

... Hemiparalyse

Im Gegensatz dazu bezeichnet die Hemiparalyse eine vollständige Lähmung.

... motorische Aphasie

Diese hat nichts – wie der Name vielleicht vermuten lässt – mit der Beweglichkeit des Körpers zu tun. Motorische Aphasie wird eine Sprachstörung genannt, die sich oft wieder einpendelt.

... Amaurosis fugax

Dabei handelt es sich um ein einseitiges Erblinden aufgrund einer vorübergehenden Durchblutungsstörung.


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