Wenn es akut wird: Kortisontherapie bei MS

Wann das Kortison bei einem Schub der Multiplen Sklerose wirkt und welche Nebenwirkungen die Behandlung hat

Lisa Kessner
Lisa Kessner
2. November 2020
Mann hüpft beschwingt: Titelbild zur MS-Kortisontherapie

In den sogenannten Inter­vallen zwischen den MS-Schüben – den schub­freien Phasen – gibt es eine Vielzahl von Medika­menten, die den degenerativen Verlauf der Erkran­kung so weit wie möglich hinaus­zögern: Das Problem von „Zukunfts-Ich“! Trotzdem kommt die Zeit für den nächsten Schub. Lesen Sie hier, wie ein (akuter) Multiple Sklerose-Schub behandelt wird.

Der akute Entzündungs­schub und sein Gegner: Kortison

Ein Schub ist das Auftreten von einem oder mehreren MS-Symptomen über mindestens 24 Stunden. Den „echten“ akuten MS-Schub muss man von anderen „falschen“ Schüben unter­scheiden: Neuro­logische Symp­tome können beispiels­weise auch nach Infektionen, durch Hitze oder nach körper­licher Belastung in Erscheinung treten.

Was unternimmt man denn nun gegen einen MS-Schub? Milde Symp­tome ziehen meist ohne einen thera­peutischen Eingriff auf die Gescheh­nisse im Körper vorüber. Mild wird ein Schub bezeichnet, wenn die neuro­logischen Symp­tome sich in einem geringen Ausmaß zeigen und den Verlauf Ihrer Erkran­kung nicht beein­trächtigen.

Erst wenn die neuro­logischen Symptome akut werden, kommt Kortison (auch Cortison) zum Einsatz. Sein Job: Reduktion der Entzün­dungsaktivität für eine schnelle Rück­bildung Ihrer Beschwerden.

Die Kortison- Stoßtherapie

Oftmals erhalten Sie hoch­dosierte Glukokortikosteroide (so heißt Kortison in der Fachsprache) zwischen drei und fünf Tagen durch eine Infusion. Ärzte empfehlen ihren Patienten meist, die Infusion in den Morgen­stunden zu setzen, da sie dann meist bekömmlicher ist. Sie dauert circa eine halbe bis eine Stunde.

So wirkt Kortison:

  • Entzündungshemmend
  • Immunsuppresiv
  • Abschwellend
  • Erhöht Leistungsfähigkeit und mindert Übelkeit

Glukokortikosteroide (eines, das häufig zur Behand­lung von MS eingesetzt wird trägt den Namen Methyl­prednisolon) sind eine chemische Nach­ahmungen von Cortisol, dem körper­eigenen Hormon, das der Nebennie­renrinde entstammt. Cortisol unterstützt von Natur aus unzählige Stoffwechsel­prozesse.

Das sind die Nebenwirkungen von Kortison:

  • Schwindel, Kopfschmerzen und Sehstörungen (oftmals bedingt durch das Liegen­bleiben während der Infusion und eine unzureichende Flüssig­keitsaufnahme, da das Präparat Ihren Wasser­haushalt aus dem Gleichgewicht bringen kann)
  • Herzklopfen
  • Heißhunger
  • Unruhe
  • Schlafstörungen

Das Kortison oder Methyl­prednisolon ist als Infusion oder in Tablet­tenform aufzuneh­men. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Thera­pie für Ihren indivi­duellen MS-Verlauf die anspre­chendste ist.

Haben Sie keine Angst vor den Neben­wirkungen. Das Kortison wird während der Schub­therapie nur äußerst kurz verab­reicht und ist meist gut verträglich. Besprechen Sie auch Sorgen oder mög­liche Beschwerden mit einem Arzt.

Das Kortison hat nicht geholfen?

Manchmal reicht Kortison allein bei einem akuten Schub der MS nicht aus. Sie merken das erst mit der Zeit; in der Praxis liegt der Orien­tierungs­wert für die Wirksam­keit einer Behand­lung bei etwa 30 Tagen: Tritt in den 30 Tagen ein neues Symptom auf, nennt man das einen Schub­komplex, wird das neuro­logische Symp­tom innerhalb dieses Monats trotz anfäng­licher Besserung weniger erträglich, ist das ein soge­nannter reaktivierter Schub. Diese beiden Situa­tionen und ein neuer Schub nach kürzester Zeit sprechen dafür, dass die Behand­lung nicht angeschlagen hat.

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    Das kann man dagegen tun: Nach etwa 14 Tagen können Sie die Kortison­therapie für maximal fünf Tage in sehr hoher Dosis wieder­holen. Zeigt dies keine Wir­kung, verweist Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie für eine Blut­wäsche (Plasma­pherese) an ein geeig­netes Krankenhaus. Dort erhalten sie eine statio­näre Behandlung, bei der das Blut von Stoffen ent­fernt wird, die Ihre Myelin­scheide angreifen. Allerdings eignet sich diese Art der Therapie nicht als dauerhafte Maß­nahme.

    Wie lange bleibt das Kortison nach der Stoßtherapie im Körper?

    Das ist nicht ausrei­chend untersucht und wird je nach persön­lichen Lebensum­ständen und Gewohn­heiten unterschied­lich eingeschätzt. Viele Ärzte gehen von etwa 14 Tagen aus, doch zwei Wochen sind nur ein grober Richtwert.

    Kortison und die Person hinter der Multiplen Sklerose

    Ein akuter Schub ist nicht nur unan­genehm und schränkt Sie in diversen Lebens­bereichen ein: Viele Men­schen der MS Community erzählen offen davon, wie die psychische Verfas­sung unter der Behandlung leidet. Schon wieder ein Schub! Antriebs­losigkeit macht sich breit – gefolgt von Lustlosigkeit.

    Gehen Sie nicht so hart mit sich ins Gericht! Gönnen Sie sich die Pause, wenn Sie eine brauchen. Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit der Erkran­kung auseinan­derzusetzen und damit, was Ihr Körper braucht – und na­türlich auch Ihr Geist – um zur Ruhe zu kommen.


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