Wochenbettdepression: Der Schatten über Ihrem Babyglück

Babyblues und postnatale Depressionen sind weiter verbreitet als viele annehmen. Umso wichtiger ist ein entspanntes Wochenbett

Canan Dalamuk
Canan Dalamuk
5. Mai 2021
Mutter hält Baby: Ihr Gesicht ist im Schatten verborgen während das Kind ins Licht blickt

Nicht alle Frauen schweben nach der Geburt ihres Babys auf Wolke Sieben. Negative Emotionen während des Wochen­betts sind für viele junge Mütter eine schwere Belastung. Durch welche Anzeichen Sie erkennen, ob Sie betroffen sind, wie lange diese Zeit dauert und was Sie gegen den Baby­blues tun können, erfahren Sie in diesem Gastbeitrag.

Sobald eine Frau schwanger ist, beginnt eine Trans­formation auf körper­licher und geistiger Ebene. Direkt nach der Entbindung beginnt eine Zeit, die man Wochen­bett nennt – sie dauert 40 Tage. Die Wochen­bettphase ist eine indivi­duelle Erfahrung für jede Mutter und ihr Kind – beide lernen, das Leben auf eine neue Art wahr­zunehmen.

Viele Frauen sind ganz verzaubert von dieser Zeit. Werdende Mütter freuen sich auf das Wochen­bett, wenn sie ihr Baby die ersten Tage seines Lebens im Arm halten dürfen. Umso erschütternder ist es, wenn während der Schwanger­schaft oder nach der Geburt depressive Verstim­mungen auftreten. Leider sind sie keine Seltenheit. Manche Frauen fühlen sich zusätzlich zur Wochenbett­depression schuldig, weil die erwartete Freude ausbleibt. Statt­dessen erleben sie nach der Entbin­dung starke Stimmungs­schwankungen und fühlen sich nieder­geschlagen, unkonzen­triert, erschöpft, gereizt und ängstlich. Es ist nicht unge­wöhnlich, nicht selten. Es hat sogar einen Namen: Babyblues. Meist hat dieser einen leichten Verlauf und klingt nach wenigen Tagen wieder ab.

Die Wochenbett­depression hingegen entwickelt sich schleichend im Verlauf der ersten drei Monate und kann sogar mehrere Jahre andauern. Nach Experten­meinungen gibt es drei Haupt­ursachen für eine Wochenbett­depression: hormonelle Verän­derungen, körperliche Veränderungen und Stress. Typische Symptome für eine Depression sind ein anhal­tendes, tiefschürfendes Erschöpfungs­gefühl und Störungen des Schlafs oder Appetits. Die Frauen fühlen sich durch die Depression überfordert und empfinden eine innere Leere. Auch die Entwick­lung von Schuldgefühlen (“bin ich eine schlechte Mutter?”) sowie die Unfähig­keit, Freude oder überhaupt Gefühle für das Baby zu empfinden, sind Symptome einer Wochenbett­depression. Der Zustand ist quälend und wird als “hoffnungslos” erlebt, sodas viele Frauen mit einer postna­talen Depression finstere Gedanken entwickeln. Sie werden von Schuld begleitet fühlen sich von ihrer Umwelt und sogar von ihren eigenen Emotionen abge­schnitten.

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    Die Wochenbettde­pression ist eine postnatale, auch postpar­tale Stimmungs­schwankung, die häufiger vorkommt, als allgemein angenommen wird. Es ist sehr wichtig, auf die Warn­signale zu achten, damit die Erkran­kung so schnell wie möglich behandelt werden kann. Leider gelten bis heute in unserer Gesellschaft Wochen­bettde­pressionen als Tabu­thema. Viele Betroffene verschweigen daher ihre Symp­tome aus Angst, nicht verstanden zu werden. Sie befürchten, als undankbar oder als schlechte Mutter beschul­digt zu werden, wenn sie keine Freude für ihr Kind zeigen können. Einige Mütter sind nicht in der Lage, die Bedürf­nisse ihres Kindes zu erfüllen und erleben dadurch massive Schuld- und Schamgefühle.

    Das Wochenbett dient der Genesung und dem Anpassungs­prozess an den neuen Alltag mit einem Säugling. Früher haben Familien­angehörige und Freunde für das Wohl der Mutter in dieser Zeit gesorgt: Sie wurde liebe­voll bekocht und der Haushalt wurde von den Liebsten übernom­men. Diese Tradition ist heute in vielen Familien zum Erlie­gen gekommen. Viele junge Mütter verbringen das Wochen­bett mit ihrem Kind allein, da Ange­hörige oft zu weit weg wohnen, während der Ehepart­ner beruflich eingespannt ist. Die Gesell­schaft, in der wir leben verlangt heute vielen Frauen selbst im Wochen­bett Energie und Tatkraft ab – der Gedanke, dass der Haus­halt funktio­nieren muss wie zuvor, kann nerven­zehrend sein.

    Werden Sie sich bewusst: An erster Stelle stehen die Gesund­heit der jungen Mutter und des Neugeborenen. Andere Pflichten können während dem Wochen­bett mit gutem Gewissen hintenan­gestellt werden. Um die Sorgen vorab zu nehmen können Sie das Wochen­bett bereits vor der Geburt bewusst gestalten und planen, welche Aufgaben liegen bleiben oder von Familien­mitgliedern übernom­men werden können. Das Wochenbett gilt dem Kennen­lernen von Mutter und Kind – es dient dem Zweck, sich an die neue Familien­konstel­lation zu gewöhnen. Seien Sie aufmerksam, wenn Sie mentale Schwierig­keiten bemerken. Es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen. Sprechen Sie Wochen­bettdepressionen offen an und suchen Sie Hilfe. Eine junge Mutter braucht einen guten Zuspruch und motivierende Helfer, um ihrer neuen Aufgabe gerecht werden zu können.

    Um frischge­backene Mütter während der ersten 40 Tage nach der Geburt mental zu unter­stützen, habe ich ein Buch geschrieben: “WoBu”. Als ein motivieren­der Begleiter für junge Mütter im Wochen­bett bietet er Entspannungs­übungen, leckere Rezepte zum Nach­kochen, positive Affirma­tionen, Selfcare-Check­listen und viele Informa­tionen über die Zeit des Wochen­betts und der Rückbildung. In diesem Buch steckt mein Wissen als Doula und als Yoga-Coach. Ich möchte Mütter von Neuge­borenen dabei unterstützen, das Wochen­bett behütet und entspannt zu gestalten. Wenn die Mutter glücklich ist, ist ihr Baby glücklich – und unsere Welt braucht glückliche Kinder mehr denn je.

    Canan Dalamuk
    Doula & Coach für Körper und Geist
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