Akne inversa und Begleiterkrankungen: Worauf Sie achten sollten

Wenn Sie mit Akne inversa leben, beschäftigen Sie möglicherweise nicht nur die entzündeten Hautstellen. Vielleicht fragen Sie sich auch, ob wiederkehrende Bauchschmerzen, Gelenkbeschwerden oder anhaltende Niedergeschlagenheit damit zusammenhängen. Diese Fragen verdienen Aufmerksamkeit, ohne dass hinter jeder Veränderung gleich eine weitere Erkrankung stehen muss. Dieser Artikel hilft Ihnen, mögliche Begleiterkrankungen einzuordnen und das nächste Arztgespräch vorzubereiten.

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MyTherapy-Redaktion
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte lassen Sie neue oder anhaltende Beschwerden fachlich abklären und treffen Sie Behandlungsentscheidungen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kurz erklärt: Akne inversa, auch Hidradenitis suppurativa genannt, steht mit verschiedenen Begleiterkrankungen in Zusammenhang. Dazu gehören unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, bestimmte entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Diabetes sowie Depressionen und Angststörungen. Ein solcher Zusammenhang bedeutet nicht, dass Sie diese Erkrankungen ebenfalls haben oder entwickeln werden. Welche Abklärung sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.(1)

Was sind Begleiterkrankungen bei Akne inversa?

Eine Begleiterkrankung ist eine zusätzliche Erkrankung, die neben einer anderen besteht. Der medizinische Begriff dafür lautet Komorbidität. Anders als eine direkte Krankheitsfolge muss eine Begleiterkrankung nicht durch die Akne inversa verursacht worden sein.

Akne inversa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haarfollikel, also der Strukturen rund um die Haarwurzeln. Sie entsteht nicht durch mangelnde Hygiene und ist nicht ansteckend. Mehr zu den Grundlagen lesen Sie in unserem Artikel „Akne inversa erkennen und behandeln“.(2)

Unser Text gibt Übersicht über wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu Begleiterkrankungs-Untersuchungen für Akne inversa, die US-amerikanische und kanadische Akne inversa-Organisationen veröffentlicht haben. Diese beruhen auf der systematischen Auswertungen zu 30 möglichen Begleiterkrankungen und Begleitproblemen. Sie sprechen dafür, bei der Betreuung nicht allein auf die Haut zu schauen. Daraus lässt sich jedoch weder eine persönliche Diagnose noch eine feste Untersuchungsliste für alle Betroffenen ableiten. (1)

Welche Begleiterkrankungen können vorkommen?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehören zu den Erkrankungen, die bei Akne inversa berücksichtigt werden sollten. Eine davon ist Morbus Crohn, eine anhaltende, häufig schubweise Entzündung des Verdauungstrakts. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen und Durchfall; auch unbeabsichtigter Gewichtsverlust kann auftreten. (1,8,3)

Das bedeutet nicht, dass gelegentliche Verdauungsprobleme bereits auf Morbus Crohn hinweisen. Wenn Bauchschmerzen oder Durchfall jedoch wiederkehren oder anhalten, sollten Sie sie bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ansprechen. Erwähnen Sie dabei auch Ihre Akne inversa. Ihre Praxis kann entscheiden, ob weitere Untersuchungen und gegebenenfalls eine gastroenterologische Abklärung, also eine Untersuchung durch Fachleute für Verdauungserkrankungen, nötig sind.(3)

Frau hat Magenprobleme - auf Couch liegend

Gelenke: Wann verdienen Schmerzen besondere Aufmerksamkeit?

Auch zu bestimmten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bestehen Zusammenhänge. Dazu zählt die Gruppe der Spondyloarthritiden, bei denen unter anderem Wirbelsäule und Gelenke von Entzündungen betroffen sein können. Die Empfehlungen von Garg und seinem Team berücksichtigen diese Erkrankungsgruppe ausdrücklich.(1)

Eine Form ist Morbus Bechterew. Hier können Rückenschmerzen und Steifigkeit besonders morgens oder nachts auftreten; Bewegung kann die Beschwerden bessern. Entzündete Gelenke können außerdem geschwollen und warm sein. Diese Anzeichen beweisen aber keine bestimmte Diagnose. Lassen Sie anhaltende Gelenk- oder Rückenschmerzen ärztlich einordnen.(4)

Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit: Was gehört ins Arztgespräch?

MyTherapy-Tipp

Mit der MyTherapy App können Sie Medikamentenerinnerungen, Messwerte, Symptome und Fragen für Kontrolltermine an einem Ort festhalten. Die Aufzeichnungen können das Gespräch erleichtern, ersetzen aber weder die medizinische Beurteilung noch eine Dosisentscheidung.

Die Empfehlungen zur Abklärung von Begleiterkrankungen nennen unter anderem Diabetes, erhöhten Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen, also ungünstige Blutfettwerte. Auch Adipositas, medizinisch starkes Übergewicht, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden berücksichtigt. Welche Kontrollen bei Ihnen sinnvoll sind, sollte Ihr Behandlungsteam anhand Ihrer persönlichen Risikofaktoren beurteilen.(1)

Dabei lohnt es sich, nicht ausschließlich auf spürbare Beschwerden zu achten: Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne deutliche Symptome auszulösen. Eine mögliche Frage für die Hausarztpraxis lautet daher: „Sind bei mir Kontrollen von Blutzucker, Blutdruck oder Blutfetten sinnvoll?“ Es geht um passende Vorsorge, nicht um Schuldzuweisungen wegen Gewicht oder Lebensgewohnheiten.(5,1)

Psyche: Warum gehören Depressionen und Ängste dazu?

Schmerzen, Scham und Einschränkungen im Alltag können Menschen mit Akne inversa seelisch belasten. Depressionen und Angststörungen gehören ebenfalls zu den Begleiterkrankungen, die in der Betreuung berücksichtigt werden sollten.(2,1)

Wenn Sie Beschwerden oder Stimmungsschwankungen festhalten möchten, können Sie das Symptom- und Stimmungstagebuch von MyTherapy nutzen. Ihre Einträge können als Gesprächsgrundlage dienen – sie stellen keine Diagnose. MyTherapy entdecken

Anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder ein starker Rückzug sind gute Gründe, sich Unterstützung zu holen. Sie müssen damit nicht warten, bis es Ihnen noch schlechter geht. Eine Hausarztpraxis oder psychotherapeutische Praxis kann eine erste Anlaufstelle sein. Psychische Beschwerden ernst zu nehmen bedeutet nicht, die körperliche Erkrankung als „nur psychisch“ abzutun.(6)

Wichtig: Wenn Sie aktuell suizidale Gedanken haben, ist es wichtig, schnellstmöglich Hilfe zu suchen.

Brauche ich jetzt zusätzliche Untersuchungen?

Nicht jede Person mit Akne inversa braucht dieselben Untersuchungen. Die Empfehlungen der US-amerikanischen und kanadischen Hidradenitis-Suppurativa-Organisationen sehen eine gezielte Abklärung relevanter Begleiterkrankungen vor; die Auswahl kann je nach individuellen Risikofaktoren variieren. Die Empfehlungen können ein erster Anhaltspunkt sein, wenn weitere Symptome auftreten - grundsätzlich ist aber in Deutschland der behandelnde Arzt oder die behandelne Ärztin die erste Anlaufstelle für die Abklärung von Beschwerden.(1)

Sprechen Sie Ihre Hautarzt- oder Hausarztpraxis darauf an, welche Beschwerden und bereits bekannten Diagnosen für Ihre Betreuung wichtig sind. Eine hilfreiche Frage lautet: „Wer behält neben meiner Haut auch meine übrige Gesundheit im Blick?“

Bringen Sie vorhandene Befunde und eine aktuelle Medikamentenliste mit. Dazu können Sie auch frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel notieren. So lassen sich Ihre Anliegen im Gespräch geordnet durchgehen. Bitte ändern oder beenden Sie die Einnahme von Medikamenten nicht eigenständig, wenn Sie einen Zusammenhang mit neuen Beschwerden vermuten.

Was können Sie bis zum Arzttermin dokumentieren?

Sie müssen keine medizinischen Zusammenhänge selbst erkennen. Hilfreicher sind konkrete Beobachtungen: zum Beispiel „An mehreren Morgen war mein Rücken steif“ statt „Ich habe bestimmt Rheuma“.

Für Ihre Notizen reichen zunächst wenige Angaben:

  • Welche Beschwerden treten auf, und seit wann?
  • Wie häufig kommen sie vor, und wie stark sind sie?
  • Was fällt im Alltag schwer, etwa Schlafen, Gehen oder Arbeiten?
  • Welche Medikamente nehmen Sie, und gab es zuletzt Änderungen?
  • Welche zwei oder drei Fragen möchten Sie unbedingt besprechen?

Auch beschwerdeärmere Tage dürfen in Ihren Notizen vorkommen. Es geht nicht darum, den ganzen Tag nach Symptomen zu suchen, sondern Beobachtungen für das Gespräch festzuhalten. Allgemeine Anregungen zum Umgang mit der Hauterkrankung finden Sie im Beitrag „Mit Akne inversa leben“.

Ihre Gesundheit als Ganzes im Blick behalten

Über Begleiterkrankungen Bescheid zu wissen, soll Ihnen Orientierung geben – nicht das Gefühl, auf jede mögliche Erkrankung vorbereitet sein zu müssen. Der nächste Schritt kann klein sein: eine Beobachtung notieren, eine Frage stellen oder einen Termin vereinbaren.

Unterstützung für den Alltag: Laden Sie MyTherapy herunter, wenn Sie Symptome dokumentieren und Erinnerungen für Ihre vereinbarte Medikamenteneinnahme nutzen möchten. Die App ergänzt Ihre persönliche Organisation; ärztliche Abklärung und Behandlung ersetzt sie nicht.

Häufige Fragen zu Akne inversa und Begleiterkrankungen

❓ Frage: Welche Begleiterkrankungen können bei Akne inversa auftreten?

❗ Antwort: Zu den medizinisch berücksichtigten Begleiterkrankungen zählen unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, bestimmte entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck sowie Depressionen und Angststörungen. Das bedeutet nicht, dass alle Betroffenen weitere Erkrankungen entwickeln. Besprechen Sie mit Ihrer Praxis, welche Themen für Sie persönlich relevant sind.(1)

❓ Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Akne inversa und Morbus Crohn?

❗ Antwort: Ja, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sind als mögliche Begleiterkrankungen relevant. Wiederkehrender Durchfall, Bauchschmerzen oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust sollten ärztlich abgeklärt werden. Solche Beschwerden allein beweisen keinen Morbus Crohn.(1,8,3)

❓ Frage: Gehören Bauchschmerzen automatisch zur Akne inversa?

❗ Antwort: Nein. Bauchschmerzen allein erlauben keine Zuordnung zu einer bestimmten Erkrankung. Wenn sie anhalten, wiederkehren oder zusammen mit Durchfall auftreten, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis darauf an; dringende Beschwerden sollten nicht bis zu einem Routinetermin warten.(3,7)

❓ Frage: Können Akne inversa und Gelenkschmerzen zusammenhängen?

❗ Antwort: Ja, Akne inversa steht unter anderem mit Spondyloarthritis, einer Gruppe entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, in Zusammenhang. Gelenkschmerzen allein reichen jedoch nicht für eine solche Diagnose. Lassen Sie wiederkehrende Schmerzen, Schwellungen oder Steifigkeit ärztlich einordnen.(1,4)

❓ Frage: Wann sollte ich Rückenschmerzen bei Akne inversa ansprechen?

❗ Antwort: Anhaltende Rückenschmerzen sollten Sie ärztlich besprechen, insbesondere wenn nächtliche Schmerzen oder morgendliche Steifigkeit hinzukommen. Solche Muster können beispielsweise bei Morbus Bechterew auftreten, sind aber keine Selbstdiagnose. Die Praxis entscheidet, ob weitere Abklärung notwendig ist.(4)

❓ Frage: Muss ich bei Akne inversa auf Diabetes untersucht werden?

❗ Antwort: Diabetes gehört zu den Erkrankungen, die bei der Betreuung von Akne inversa berücksichtigt werden sollten. Ob und wann eine Blutzuckerkontrolle bei Ihnen sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Praxis. Das ist auch ohne deutliche Beschwerden möglich, denn Typ-2-Diabetes kann zunächst unbemerkt bleiben.(1,5)

❓ Frage: Was hat Akne inversa mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit zu tun?

❗ Antwort: Die Empfehlungen zur Abklärung von Begleiterkrankungen berücksichtigen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Blutdruck und Blutfette. Daraus lässt sich Ihr persönliches Risiko nicht unmittelbar ableiten. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis, welche Kontrollen zu Ihrer gesundheitlichen Situation passen.(1)

❓ Frage: Können Depressionen eine Begleiterkrankung von Akne inversa sein?

❗ Antwort: Ja, Depressionen gehören zu den relevanten Begleiterkrankungen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder starkem Rückzug können Sie sich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis wenden. Bei akuter Selbstgefährdung holen Sie sofort Hilfe über 112.(1,6)

❓ Frage: Welche Untersuchungen sind bei Akne inversa und Begleiterkrankungen sinnvoll?

❗ Antwort: Die Auswahl richtet sich nach Beschwerden, bekannten Erkrankungen und persönlichen Risikofaktoren. Je nach Situation können etwa die Abklärung von Darm- oder Gelenkbeschwerden, Stoffwechselkontrollen oder ein Gespräch über psychische Belastungen sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Ihrer Praxis erklären, welche Abklärung bei Ihnen einen konkreten Nutzen hat.(1)

❓ Frage: Welche Arztpraxis ist bei Begleiterkrankungen der Akne inversa zuständig?

❗ Antwort: Besprechen Sie neue Beschwerden zunächst mit Ihrer Hausarzt- oder Hautarztpraxis. Fragen Sie dort, ob eine zusätzliche fachärztliche Abklärung notwendig ist und wer sie koordiniert. Für psychische Beschwerden können Sie sich auch direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden; für ein erstes Gespräch ist in Deutschland keine ärztliche Überweisung nötig.(1,6)

Texthinweise:

1.  Garg A, Malviya N, Strunk A et al. Comorbidity screening in hidradenitis suppurativa: Evidence-based recommendations from the US and Canadian Hidradenitis Suppurativa Foundations. Journal of the American Academy of Dermatology. 2022;86(5):1092–1101; online veröffentlicht 2021. DOI: 10.1016/j.jaad.2021.01.059. Verifizierter Abstract im institutionellen Repositorium von Henry Ford Health.

2.  gesund.bund.de / IQWiG. Akne inversa. Stand: 18.10.2021.

3.  gesund.bund.de / IQWiG. Morbus Crohn. Stand: 13.05.2026.

4.  NHS. Ankylosing spondylitis – Symptoms. Letzte ausgewiesene Prüfung: 05.01.2023.

5.  gesund.bund.de / IQWiG. Diabetes Typ 2. Stand: 05.04.2022.

6.  gesund.bund.de / IQWiG. Depression. Stand: 04.04.2025.

7.  Chen WT, Chi CC. Association of Hidradenitis Suppurativa With Inflammatory Bowel Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatology. 2019;155(9):1022–1027. DOI: 10.1001/jamadermatol.2019.0891.

Die App für Ihre Akne inversa-Therapie

MyTherapy unterstützt Sie dabei, Ihren Alltag mit Akne inversa und möglichen Begleiterkrankungen im Blick zu behalten – mit Medikamentenerinnerungen sowie einem Tagebuch für Beschwerden, Stimmung und Ihr allgemeines Befinden. Durch regelmäßige Einträge können Sie Veränderungen über längere Zeit nachvollziehen und beim Arzttermin konkreter beschreiben, wann beispielsweise Hautbeschwerden, Gelenkschmerzen oder Verdauungsprobleme aufgetreten sind. Die Dokumentation allein zeigt jedoch nicht, ob diese Beschwerden zusammenhängen oder eine Begleiterkrankung vorliegt. Ein übersichtlicher Gesundheitsbericht aus Ihren Einträgen kann als Gesprächsgrundlage für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt dienen. Lassen Sie neue oder anhaltende Beschwerden ärztlich abklären und verändern oder beenden Sie Ihre Behandlung nicht eigenständig.