Welche Arten der bariatrischen Chirurgie gibt es?
Die chirurgischen Verfahren werden in drei Hauptgruppen eingeteilt (2):
- Magenband: Ein Silikonband wird um den oberen Teil des Magens gelegt und schafft einen kleineren Vormagen. Dieser füllt sich schneller, wodurch ein früheres Sättigungsgefühl entsteht.
- Schlauchmagen (Magenverkleinerung): Hierbei wird ein großer Teil des Magens entfernt, sodass nur ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt. Dadurch passt weniger Nahrung hinein.
- Magenbypass: Es wird ein kleiner Magensack gebildet, der direkt an den Dünndarm angeschlossen wird. Ein Teil des Verdauungstrakts wird umgangen, was sowohl die Nahrungsaufnahme als auch die Kalorienverwertung reduziert.
Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich Effektivität, Komplexität, möglicher Nebenwirkungen und hinsichtlich der Langzeitergebnisse. Das Magenband gilt als einfachste, aber auch am wenigsten wirksame Methode – insbesondere bei Diabetesbehandlung – und wird heute nur noch selten eingesetzt (2).
Was sind Voraussetzungen, Risiken und Erfolgsaussichten einer bariatrischen Operation bei Adipositas?
Operationen gelten als wirksame Behandlung bei schwerer Adipositas, wenn konservative Maßnahmen versagen. Sie können das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 deutlich senken, erfordern jedoch klare medizinische Voraussetzungen und eine sorgfältige Abwägung möglicher Risiken (2).
Die bariatrische Chirurgie eignet sich für Menschen (2,3):
- mit Adipositas und einem BMI über 35, zusammen mit Begleiterkrankungen wie DMT2, oder
- mit einem BMI über 40, auch ohne Begleiterkrankungen.
Erste Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit hohem Diabetes-Risiko besonders profitieren könnten. Voraussetzung ist jedoch, dass andere Therapiemöglichkeiten wie Ernährungsumstellung, Bewegung und Lebensstiländerungen über mindestens sechs Monate keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben.Auch bei bereits erreichtem Gewichtsverlust kann der Eingriff sinnvoll sein, wenn er Begleiterkrankungen wie DMT2 weiter verbessert (2,4).
Wann sollte keine bariatrische Operation durchgeführt werden?
Von einer Operation wird abgeraten bei (2):
- unbehandelten Essstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen
- Suchterkrankungen
- schweren Vorerkrankungen oder Infektionskrankheiten
- Schwangerschaft
Bei extrem hohem BMI (≥ 60 kg/m²) oder schweren Begleiterkrankungen sollte die Operation nur in spezialisierten Zentren erfolgen.
Ernährung und Lebensstil nach bariatrischer Operation: Was ist zu beachten?
Nach dem Eingriff müssen Patientinnen und Patienten die Ernährung schrittweise umstellen (5):
- zunächst flüssige oder pürierte Kost
- später kleine Portionen fester Nahrung
Wichtige Empfehlungen:
- Abstand zwischen Trinken und Essen einhalten
- fett- und zuckerarme Lebensmittel bevorzugen
- Alkoholkonsum vermeiden oder stark reduzieren
Da der Körper weniger Nährstoffe aufnimmt, können Mangelerscheinungen auftreten. Deshalb ist eine dauerhafte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. Eisen, Vitamin B1, Vitamin D) notwendig (2,5).
Zudem kann die Wirkung bestimmter Medikamente (z. B. Verhütungsmittel) beeinträchtigt sein. Daher sind ärztliche Kontrollen und Bluttests essenziell, um Mängel frühzeitig zu erkennen (2).
Wie wirkt bariatrische Chirurgie auf Diabetes mellitus Typ 2?
Studien zeigen, dass bariatrische Operationen bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 die Blutzuckerkontrolle langfristig verbessern können. Nach fünf Jahren hatten viele Patientinnen und Patienten normale Blutzuckerwerte oder benötigten weniger Medikamente (5).
Doch: Der Eingriff allein reicht nicht aus. Nur mit einer dauerhaften Änderung des Lebensstils – insbesondere Ernährung und Bewegung – lässt sich der Erfolg langfristig sichern(2,3).
Welche Folgen und Begleiterscheinungen können auftreten?
Ein starker Gewichtsverlust kann überschüssige Haut hinterlassen, die sowohl die Beweglichkeit als auch das Körperbild beeinträchtigen kann. In solchen Fällen ist eine plastisch-chirurgische Hautstraffung möglich (2,5).
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind entscheidend, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Ergebnisse dauerhaft zu stabilisieren.
Wann hilft bariatrische Chirurgie wirklich bei Diabetes?
Bariatrische Chirurgie kann eine wirksame Option zur Behandlung von Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 sein, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind.
Sie verbessert nachweislich die Blutzuckerwerte, reduziert das Gewicht und kann Folgeerkrankungen verhindern – erfordert jedoch lebenslange Nachsorge und Verhaltensanpassung.
Texthinweise:
(1) Thaden S. Magenverkleinerung hat Einfluss auf Diabetes Typ 2. https://www.diepta.de/news/adipositas-op-magenverkleinerung-hat-einfluss-auf-diabetes-typ-2 Abgerufen: 11.09.2025
(2) Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. (Stand: April 2020) https://register.awmf.org/assets/guidelines/088-001pS3Chirurgie-Adipositas-metabolischeErkrankugen_2020-06.pdf Abgerufen: 11.09.2025
(3) S3-Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) e. V. Prävention und Therapie der Adipositas. (Stand: Oktober 2024) https://register.awmf.org/assets/guidelines/050-001lS3Praevention-Therapie-Adipositas_2024-10.pdf Abgerufen: 11.09.2025
(4) Deutsches Zentrum für Diabetesforschung. Bariatrische OP: Unterschiedlicher Nutzen bei Menschen mit erhöhtem Diabetes-Risiko. https://www.dzdev.de/aktuelles/news/news/article/bariatrische-op-unterschiedlicher-nutzen-bei-menschen-miterhoehtem-diabetes-risiko-1 Abgerufen: 11.09.2025
(5) Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Operationen zur Behandlung von Adipositas. https://www.gesundheitsinformation.de/operationen-zur-behandlungvon-adipositas.html Abgerufen: 11.09.2025
(6) Schauer PR et al. Bariatric Surgery versus Intensive Medical Therapy for Diabetes - 5-Year
Outcomes. N Engl J Med. 20
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